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So langsam fängt das Kribbeln an - Mainpost 06.08.2007

So langsam fängt das Kribbeln an

In die große weite Welt hat Theresa Krause schon mehrfach ihre Fühler ausgestreckt. Irigny, Gochsheims Partnergemeinde, hat die 16-jährige Celtis-Gymnasiastin schon besucht. Sie war 2005 auf einer Sprachreise in England und vertrat 2006 den Bezirk bei einem Partnerschaftstreffen mit jungen Polen und Franzosen. Ihr ganz großes Ding startet die Dürrfelderin (Gemeinde Grettstadt) im August: Dann wird die Zehntklässlerin für ein Jahr nach China gehen.

„Schuld“ trägt daran zum einen ihre Schwester Anna Linda. Deren Begeisterung über einen dreimonatigen Englandaufenthalt hat auch die jüngere Theresa angesteckt. Zum anderen träumt Theresa mit Freundin Veronika schon lange von einem Auslandsaufenthalt. Den Entschluss fasste die 16-Jährige, als sie die Amerikanerin Jenny kennenlernte. Jenny verbringt ein Jahr in einer befreundeten deutschen Familie.

Theresa meldete sich bei der Austauschorganisation American Field Service, absolvierte in Reichmannshausen erfolgreich das Auswahlverfahren und stieß dabei auf das Angebot des Bayerischen Kulturfonds. Der Freistaat fördert einjährige Aufenthalte in China und Osteuropa. Theresa bewarb sich, musste ein erneutes Auswahlverfahren in Nürnberg durchstehen und setzte sich gegen 33 Konkurrenten durch.

Theresa lernt im zweiten Jahr im Wahlkurs am Celtis chinesisch. Geweckt wurde ihr Interesse für das Land, weil die Schriftzeichen sie faszinieren. Mittlerweile ist Begeisterung daraus geworden. "Ich bin wie die Chinesen leistungsorientiert", sagt sie. Deshalb glaubt Theresa, dass sie klar kommen wird. Vieles sei ihr in dem mächtigen Land unbekannt, aber das mache ja gerade den Reiz aus. Sie weiß, dass sie eine "total andere Lebensweise erwartet", dass sie aus Unwissenheit Fehler machen wird. Doch ihrer Ansicht nach kann eine fremde Kultur nur verstehen, wer in ihr gelebt hat. Theresa beschäftigt sich intensiv mit China, hört Nachrichten, liest, sieht vieles kritisch: die Menschenrechtsverletzungen, Tibet, den Umgang mit der Umwelt. Theresa weiß, dass Chinesen Hunde essen, sie hat aber von denen, die drüben waren, erfahren, dass die keinen Hund vorgesetzt bekamen.

Aufgeregt ist Theresa noch nicht. Vater Kurt Krause und Mutter Emmi Sengfelder, beide Lehrer, schon eher, lacht sie. "Wenn es ans Koffer packen geht, wird es schon ein wenig kribbeln", räumt sie dann doch eine gewisse Spannung ein. Ab Frankfurt geht es am 23. August nach Peking, von dort nach Guangzhou südlich von Hongkong. Die Tochter der Gastfamilie ist ebenfalls 16 Jahre alt.

Theresa will sich nach dem Jahr flüssig verständigen können. Sie wird nach der Rückkehr die elfte Klasse überspringen, mit der Kollegstufe ihre Schulkarriere fortsetzen.