Sie sind hier: AFS-Komitee Würzburg > Das Komitee > Zeitungsberichte > ...unserer Awayees > 2007/09/08 Jede Menge Vorurteile widerlegt > 

Jede Menge Vorurteile widerlegt - Mainpost 08.09.2007

Drei Schüler des Rathenau- und Celtis-Gymnasiums nach einem Jahr im Ausland zurück

Von unserer Mitarbeiterin Christine Döllner

Schweinfurt

Seit ein paar Wochen sind sie wieder in Deutschland: Fabian Reusch vom Rathenau-Gymnasium, Susanne Weigand und Lena Gebhardt vom Celtis-Gymnasium. Fabian und Susanne verbrachten das vergangene Schuljahr bei Gastfamilien in den USA, Lena lebte ein Jahr in Russland. Alle drei waren mit dem American Field Service (AFS) unterwegs, einer der größten Organisationen für Schüleraustausch weltweit.

"Bei meiner Ankunft in Baltimore hatte ich das Gefühl, dass ich die Familie schon ewig kenne", erzählt Fabian Reusch aus Schweinfurt. Schon im März 2006, also ein halbes Jahr vor der Abreise, hatte der jetzt 19-Jährige den ersten E-Mail-Kontakt in die USA gehabt. Im August betrat er dann erstmals amerikanischen Boden. "Es ist alles viel riesiger als bei uns, und die Leute sind lockerer." Eingewöhnungsschwierigkeiten hatte er nicht.

Anfangs fühlte sich Fabian, als wäre er "im Urlaub". Nach den Ferien kam dann schnell der Alltag. "Wir hatten von 8 bis 17 Uhr Schule, davon eine Stunde verpflichtend Sport." Die üblichen Vorurteile gegenüber Amerika widerlegt Fabian: In seiner Familie gab es kein Fast-Food, der Müll wurde streng getrennt.

Susanne Weigand verbrachte ihr Austauschjahr im US-Bundesstaat Missouri, in der Millionenstadt St. Louis. Ihre Familie nahm die aus Madenhausen stammende Susanne sofort freundlich auf. Mit ihrer ein Jahr jüngeren Gastschwester Alicia teilte sich Susanne ein Zimmer. Im Haus lebte eine weitere Schwester, Natalie 22 Jahre alt und Mutter der dreijährigen Mikayla.

Freunde fand Susanne in der Schule und im Freundeskreis von Alicia schnell. Sie hatte bis Nachmittags um 15 Uhr Unterricht, anschließend nutzte sie die sportlichen Angebote, unter anderem Tennis. Hausaufgaben musste Susanne allerdings abends zusätzlich machen, meistens zwei Stunden - ein langer Tag. Der Abschied fiel ihr schwer, obwohl Alicia und ein Freund mit nach Deutschland kamen, um sich hier umzusehen.


Lena Gebhardt wagte den Schritt in die entgegengesetzte Richtung, nach Russland - und das, ohne die Sprache vorher zu beherrschen. Die Gochsheimerin lebte dort in einem kleinen Dorf, etwa 200 Kilometer nördlich von Moskau. "Ich kannte nur ein paar wenige Worte wie beispielsweise Danke oder Hallo", so die heute 17-jährige Schülerin. "Die ersten vier Monate waren sehr hart", gibt sie unumwunden zu. Freunde fand Lena erst spät, nur mit den Klassenbesten konnte sie etwas Englisch sprechen. Von einer Lehrerin bekam sie einmal pro Woche Russischunterricht, danach ging es immer besser mit der Verständigung.


In ihrer Freizeit spielte Lena Schach und bevorzugte beim Sport die Leichtathletik - "weil ich dabei nicht sprechen musste". 150 Kilometer weiter wohnte die nächste "Ausländerin". Mit dieser Deutschen traf sie sich öfter. "Für russische Verhältnisse ist es eine kurze Strecke." Außerdem machte ihre Austauschgruppe einmal pro Monat einen Ausflug, etwa zum Schwarzen Meer. Die ganz Mutigen gingen auch im acht Grad kalten Wasser baden. Im Nachhinein ist Lena froh, dass sie Russland als Ziel gewählt hat, trotz des Heimwehs. "Die Russen sind sehr gastfreundlich. Obwohl sie selbst wenig besitzen, teilen sie alles, was sie haben."

Wer ein Schuljahr oder Schulhalbjahr im Ausland verbringen möchte, kann sich bei AFS Interkulturelle Begegnungen, Postfach 500142, 22701 Hamburg bewerben. Anmeldeschluss: 15. Oktober für die Abreise Mitte 2008. Infos unter www.afs.de, E-Mail: afs-wuerzburg(at)gmx.de