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Ein Jahr Ausland: „Wer will, soll es machen“ - MAINPOST SCHWEINFURT vom 01.10.2009

Ein Jahr Ausland: "Wer will, soll es machen"

Zwei Schweinfurter lebten ein Jahr in den USA und in Belgien

"Ein Austauschjahr bringt total viel Spaß, aber auch ein paar Herausforderungen", sagt Daniela Reusch. Die 18-jährige Schweinfurterin ist vor kurzem aus dem Städtchen Cumberland im Bundesstaat Maine - an der US-Ostküste nahe Kanada gelegen - zurückgekehrt: "Ich hätte mir niemals vorstellen können, wie nah mir meine amerikanische Familie werden könnte", sagt die Rathenau-Schülerin.

Das Celtis-Gymnasium besucht der gleichaltrige Maximilian Schecher seit dem Schulanfang wieder. Der Gochsheimer war ein Jahr in Belgien, in Kortrijk, einer Stadt in Flandern in der Größe Schweinfurts. Auch er rät Altersgenossen zu einem Jahr im Ausland: „Wer will, soll es machen“.

Daniela wollte "nicht unbedingt weg". Animiert wurde sie durch den Schüleraustausch ihres Rathenau-Gymnasiums mit China und die positiven Erfahrungen ihres Bruders Fabian. Sie meldete sich bei der Austauschorganisation AFS und landete bei "Mom" Marie, "Dad" Dana und deren Tochter Holly (18). "Alles war neu" und nicht immer unkompliziert, weil die "richtigen" Freunde erst noch gefunden werden mussten und einige Missverständnisse mit "Mom" auszuräumen waren. Nach drei Monaten war aber alles "hundertprozentig", erinnert sich Daniela.

Die Schweinfurterin hat irgendwann um Weihnachten 2008 das erste Mal "amerikanisch" geträumt, viel Sport getrieben, weil in der von viel Wald umgebenen Kleinstadt Cumberland die Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt waren. Kennengelernt hat sie Cross-Country, Läufe über fünf Kilometer über Stock und Stein. Ganz enge Kontakte hatte sie außer zu ihrer Familie und einigen Freunden zu Hannah, einer Austauschschülerin aus der Schweiz, "mit der ich aber nur englisch geredet habe".

Daniela hatte Schweinfurt nach der elften Klasse für ein Jahr den Rücken gekehrt und besucht seit September die zwölfte Klasse des Rathenau, macht also nächstes Jahr das Abitur. Anders Maximilian: Der Celtis-Schüler hat nach der zehnten Klasse die Koffer gepackt, die elfte übersprungen und sitzt wie Daniela jetzt in der zwölften Klasse.

Weil Maximilian Schecher von der "asiatischen Kultur" fasziniert ist, wollte er nach Japan. Wegen der jahreszeitlich versetzten Schulzeit dort verzichtete er aber, kreuzte auf dem AFS-Wunschland-Bogen "kreuz und quer durch die Welt" an und landete in Belgien. Er hätte wegen der französischen Sprache Wallonien bevorzugt, sagt er. Dass es dann Flandern wurde, ist Maximilian heute egal, wenn er auch weiß, dass niederländisch und die holländisch geprägte Landessprache der Flandern international keine Rolle spielt.

Bereut hat er das Jahr nie. Mit seiner Gastmutter Frieda (50), nach dem Tod ihres Mannes seit Jahren Witwe, und "Schwester" Lieselott (18) verstand sich der Gochsheimer sehr gut. Er war auch der "Mann im Haus", hatte aber "so viel eigentlich nicht zu sagen", schmunzelt der 18-Jährige. Erstaunlich: Über 150 AFS-Austauschschüler lebten in Flandern, elf allein in "seiner" Stadt Kortrijk, mit denen er sich wie mit vielen Belgiern im wahrsten Wortsinn austauschte. Der bekennende Club-Fan interessierte sich auch für den belgischen Fußball.

Daniela wie Maximilian sagen, dass sie heute selbstbewusster, spontaner, selbstständiger sind. Daniela räumt ein, dass ihr der Abschied trotz aller Freude auf das Zuhause "sehr, sehr schwer gefallen ist", was bei Maximilian nicht so der Fall war. "Ich bin aber auch in wenigen Stunden nach Belgien gefahren", begründet er. Beide wollen den Kontakt zu ihren neuen Familien und zu den vielen Freunden halten. "Ich habe nie bereut, dieses Austauschjahr zu machen", sagt Daniela. "Man lerne so viel über eine andere, aber auch über die eigene Kultur und Identität", erklärt sie. Maximilian nickt und erzählt noch, dass er - was vermutlich einmalig ist - keine Fotos liefern könne: Er hatte keine Kamera dabei.

American Field Service (AFS) ist eine der größten Organisationen für Schüleraustausch weltweit. Wer ein Schuljahr oder Schulhalbjahr im Ausland verbringen möchte, kann sich bei AFS Interkulturelle Begegnungen, Postfach 500142, 22701 Hamburg bewerben. Anmeldeschluss ist der 15. Oktober 2009 für die Abreise Mitte 2010. Infos unter www.afs.de, E-Mail: afs-wuerzburg@gmx.de, Tel. (0 97 21) 2 78 44. Ein kostenloser Informationsabend über Schüleraustausch findet am Donnerstag, 8. Oktober, um 19 Uhr in der Volkshochschule Schweinfurt, Schultesstraße 19 b, statt.