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Ein Schuljahr in Norwegen - Fränkische Nachrichten 24. April 2010

Land und Leute: Katharina Mayer aus Hardheim ist bei einer Familie bei
Stavanger zu Gast / Inzwischen gibt es kaum mehr Sprachschwierigkeiten

Ein Schuljahr lang in Norwegen

Hardheim. Die meisten Austauschschüler zieht es nach Australien oder in
die USA. Katharina Mayer aus Hardheim hat sich da schon ein eher
ungewöhnliches und selten nachgefragtes Land für ein Auslandsschuljahr
ausgesucht: Die 16-jährige Schülerin des Matthias-Grünewald-Gymnasiums
in Tauberbischofsheim ist seit etwa sieben Monaten in Norwegen. Wie es
ihr bisher erging und welche Eindrücke sie in dieser Zeit sammeln
konnte, davon berichtet die Elftklässlerin in einer ersten
Zwischenbilanz.

"Das Ganze fing mit einer Informationsveranstaltung Ende der 9. Klasse
an. Die ganze Stufe saß in der Mensa und lauschte den
Erfahrungsberichten zweier Jugendlicher, die mit der Organisation
American Field Service AFS (www.afs.de) ein Jahr im Ausland waren. So
kam ich auf die Idee, auch in der 11. Klasse ins Ausland zu gehen."

Zunächst stand Katharina auf der Warteliste der Gesellschaft. Einen
Platz in Südafrika lehnte sie aus Sicherheitsgründen ab. "Wieder war
warten angesagt." Schließlich wurde ihr ein Platz in Norwegen
angeboten: "Eltern, drei Töchter. Sie betreiben eine Hühnerfarm: Das
waren so ziemlich die ersten Informationen, die ich über meine
Gastfamilie in Julebygda (Weihnachtsdorf) erfahren habe." Katharina
Mayer startete nach drei Wochen Sommerferien am 21. August 2009. Von
Oslo führte der weitere Flug nach Sola nahe Stavanger, wo die
Gastmutter und zwei der Gastschwestern Katharina in Empfang nahmen.

Auf den Einzug in den "Leiteveien" folgten viele Wochen des Heimwehs,
das bis Weihnachten anhielt. Die Rückkehr nach Deutschland zur
Beerdigung des Großvaters half dem Heimweh eher nicht, wie Katharina
berichtet.

Aus persönlichen Gründen wechselte sie im Februar die Gastfamilie. "Ich
hatte ein bisschen Angst, dass die Familie sauer werden würde. Aber als
ich mit ihr darüber geredet habe, hat sie sehr verständnisvoll
reagiert, was nicht unbedingt selbstverständlich ist."

Vier Stunden Norwegisch

Katharina besucht während ihres Auslandaufenthaltes die Videregående
Skole ("weitergehende Schule") in Sandnes. Das ist die dritte Schule im
norwegischen Schulsystem und umfasst die letzten drei Jahre, also die
Klassen 11 bis 13. "Die zwei Dinge, die mir bisher die meisten Probleme
verursacht haben, waren meine Fächerwahl und die Regelung mit Laptops
in der Schule." Die Gastschülerin aus Deutschland hat jeweils fünf
Stunden Mathematik, Physik, Biologie und Chemie, vier Stunden
Französisch, vier Stunden Norwegisch, zwei Stunden Sport und zwei
Stunden Geschichte, wobei die drei zuletzt genannten Pflichtfächer
sind.

"Die Schule ist größtenteils langweilig und ermüdend", bedauert
Katharina. "Meine Klassenkameraden sind zwar nett, waren aber lange
ziemlich unzugänglich. Das liegt teilweise daran, dass die meisten
Norweger recht lange brauchen, um aufzutauen. Aber sicher auch an der
Tatsache, dass viele die Pausen (wie auch so manche Unterrichtsstunde)
lieber damit verbringen, mit dem eigenen Laptop im Internet zu surfen.

Die meisten Referate werden natürlich mit Power-Point gemacht, solche
altmodischen Dinge wie Tafel oder gar Tageslichtprojektor werden nur
selten angerührt", schildert die Hardheimerin weiter. "Auch zu Hause
ist es ein alltäglicher Anblick, dass alle mit ihrem Computer in ihren
Zimmern sitzen. "Jede Schule und Universität hat hier ihren eigenen
Account auf der Internetseite 'it's learning'. Dort haben alle Fächer
einen eigenen Ordner, in die uns die Lehrer Bescheide über
Hausaufgaben, Termine, Änderungen oder den Unterrichtsplan geben."

Ganz am Anfang war Englisch die Verständigungssprache. Nach und nach
verstand Katharina, was die Leute um sie herum sagten. "Mit der Zeit
lernte ich auch den Dialekt und etwa Mitte November sprach ich nur noch
Norwegisch."

Nach den Osterferien stehen die Ganz- und Halbtagsarbeiten an, in denen
alles abgefragt wird, was die Schüler seit Anfang des Schuljahres
gelernt haben. Vor den großen Ferien folgt dann noch ein Examen über
den Stoff des ganzen Jahres. "Der Schulerfolg in Norwegen ist sehr
darauf aufgebaut, dass wir selber lernen und planen."

Über Neujahr war Katharina mit ihrer Gastschwester auf einer Freizeit
in den Bergen. Schnee lag fast drei Monate lang. "Ein Rekord, denn
normalerweise regnet es um Stavanger im Winter nur die meiste Zeit."

"Es ist hier übrigens auch sehr, sehr üblich, dass die meisten Schüler
schon einen Job neben der Schule haben." Aus diesem Grund gibt
Katharina einem Mädchen Querflötenunterricht.

Mit dem Skolekorps von Ganddal (vergleichbar einer Schulband) gestaltet
die deutsche Gastschülerin Feiern und nahm sogar an
Kreismeisterschaften teil, bei denen die Band in ihrem
Schwierigkeitsgrad den 1. Platz belegte. i.E.

Fränkische Nachrichten 24. April 2010