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Truls liebt Schnitzel aus der MainPost vom 07.05.2012

MainPost, 07.05.2012

Truls liebt Schnitzel 

Der 17-jährige Norweger lebt für ein Jahr bei einer Schweinfurter Familie 

  • Nicht am Meer, am Main: Truls Hammer, 17-jähriger Austauschschüler aus Norwegen. 

Foto: Katharina Winterhalter

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Viele Norweger glauben, die Deutschen würden fett und ungesund essen. Truls Hammer hat dieses Klischee längst über den Haufen geworfen, seit er in Schweinfurt lebt. Sein geliebtes Schnitzel zählt natürlich keinesfalls zum ungesunden Essen. Truls ist 17, kommt aus der Hafenstadt Sortland in Nordnorwegen, wo die Winter lang und die Sommer kurz oder gar nicht kommen und manchmal direkt wieder in den Winter übergehen. Für ein Schuljahr ist Truls über AFS, eine der größten Austauschorganisationen, zu Gast bei Familie Schubert-Stec in Schweinfurt. Mit Sohn Dennis besucht er die elfte Klasse des Walter-Rathenau-Gymnasiums.

Als er im September in Schweinfurt ankam, hatte er gerade ein Jahr Deutsch in der Schule. Er wusste, dass es "die Katze" und "das Auto" heißt und dachte, er könne so gut wie nichts. Zu seiner Überraschung verstand er aber ganz viel, vor allem wenn die Leute langsam mit ihm redeten. Inzwischen spricht Truls Hammer sehr gut, hat einen erstaunlich großen Wortschatz. Fast poetisch erzählt er vom Leben am Meer, das zu jeder Tages- und Jahreszeit anders aussieht, schwärmt aber auch vom kräftigen Grün in der fränkischen Natur und von den sommerlichen Temperaturen. Als er vor drei Wochen das letzte Mal mit der Familie telefonierte, lag in Sortland noch eineinhalb Meter Schnee.

Eigentlich dachte Truls, er würde seine Familie vermissen. "Aber irgendwie vermisse ich sie nicht", sagt er. Er genießt jeden Tag in Deutschland, auch die Schule. Das einzige, das er vermisst, ist seine Volleyball-Mannschaft. Und die Mädchen zuhause? Da denkt Truls eine Weile nach, wie er es am besten formulieren soll und sagt dann, dass die deutschen Mädchen offener sind und deutlicher zeigen, was sie wollen. In Norwegen würde es auch viel länger dauern, bis ein Paar sage, dass es zusammen gehört.

Ungewohnt ist für Norweger das "Sie". Truls muss sich immer noch konzentrieren, um Fremde nicht zu duzen, er will keinesfalls unhöflich sein. Er weiß inzwischen aber, dass auch die Deutschen manchmal nachdenken müssen, ob sie jemanden duzen oder siezen sollen. Bei der Verabschiedung verrät der er noch, dass man seinen Vornamen eigentlich nicht so ausspricht wie man ihn schreibt, sondern so ähnlich wie "Trühs" mit einem versteckten "L". Aber das will er den Franken nicht zumuten. Hier ist er der Truls.