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Mainpost vom 13. Juli 2015 / Sami in den USA

Genau ein Jahr war Sami Bakroun in den USA, seit 3. Juli ist er wieder zuhause in Mellrichstadt. Jetzt traf er sich mit seiner politischen Patin, der Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar, die ihm letztes Jahr den einjährigen Aufenthalt ermöglicht hatte und auch das Stipendium dazu, so dass er persönlich nicht mehr so viel Taschengeld selbst dazu steuern musste.

Wie alte Bekannte begrüßten sich Sabine Dittmar und Sami Bakroun beim Wiedersehen. Viele Fragen wurden gefragt und genauso viele Antworten wurden gegeben. So war es eigentlich klar, dass Sami derzeit noch englisch träumt. Er müsse erst langsam wieder in Deutschland ankommen, sagte er. Und er wäre auch gerne noch ein paar Wochen in Ohio geblieben, „den Sommer über wenigstens“. Auch dass er den 4. Juli, den Nationalfeiertag der Amerikaner nicht miterleben konnte, fand er nicht so schön. „Mir hat es gut gefallen“, sagte der junge Mann, „ich hatte Glück mit meiner Gastfamilie“.

Sami Bakroun lebte in diesem Jahr in Marietta, Ohio. Das Städtchen hat etwa 15 000 Einwohner, einen kleinen historischen Stadtkern und viele Läden und Restaurants. „Die Landschaft ist so wie hier in der Rhön“, sagte Sami. Joe und Brenda Matthews, seine Gasteltern, betreiben eine Steinbildhauerei, sein Gastbruder Nathan war 15 Jahre alt. Alle drei waren christlichen Glaubens und es entwickelte sich im Laufe des Jahres eine enge Beziehung zu Sami, erklärte der junge Mann.

Die Familie zeigte ihm die Umgebung und man ließ ihn am täglichen Leben einer US-amerikanischen Familie teilhaben. Der 17-jährige fühlte sich wohl. Und genau das ist es ja, was dieses Programm PPP so wertvoll und interessant macht. Sabine Dittmar zeigte sich hocherfreut über die Geschichten, die Sami zu erzählen wusste.

Ihre Frage nach Freunden und Interesse an Politik erklärte Sami so. Am Anfang sei es ziemlich schwer gewesen, Freunde zu finden, doch durch den Sport habe sich dann einiges ergeben. So habe er die drei Sportarten Football, Rudern und Schwimmen ausgeübt. Dies konnte man gut, erklärte er, da es in USA keine Hausaufgaben gibt. Die High School sei nicht schwer gewesen, sagte er weiter, „kein Vergleich zu hier.“ Wobei die Schulzeiten jedoch sehr eigenartig seien. Es sei nie dahinter gestiegen, warum morgens die Schule um 8.

09 Uhr begann und mittags um 2.40 Uhr endete. Jeden Morgen haben die Schüler auf die Flagge der USA schwören müssen und „es hängt in jedem öffentlichen Raum eine Nationalflagge“, sagte Sami.

Mit den anderen Austauschschülern hätten sie einen Ausflug zur „West-Coast“ gemacht. Dabei sei er auch in Las Vegas und im Gran Canyon gewesen, erzählte Sami weiter. Als erste Fremdsprache wählten die meisten Amerikaner spanisch, für die deutsche Sprache zeigen sie wenig Interesse. Auch in Washington D.C. war er mit der Gruppe, die aus sieben Jungen und Mädchen bestand. Sie kamen aus Brasilien, Spanien, Ägypten, Dänemark, China Südafrika und Sami aus Deutschland.

Die ärztliche Versorgung sei nicht so gut gewesen, erzählt Sami, eigentlich habe er nie einen Arzt benötigt, doch einmal sei er vom Schlitten gefallen und habe sich am Knie eine offene Wunde zugezogen. Mit dem Nähen hatten es die amerikanischen Ärzte nicht so, daher sieht man heute noch eine große Narbe. Dies interessierte Sabine Dittmar, die ja vom Beruf her Ärztin ist, sehr.

Und auch über die Politikverdrossenheit der Amerikaner, wie Sami erzählte, wunderte sie sich. „Sie wissen wenig über Europa und Deutschland.“ Und zur NSA-Spionageaffäre sagte ein amerikanischer Botschafter: „Das wäre normal. Jedes Land späht jeden aus,“ wusste der junge Mann.

Sami hat es sehr gut gefallen, besonders die gute Beziehung zu seiner Gastfamilie sorgte dafür, dass er kein Heimweh bekam. Einmal sei er traurig gewesen, erzählt er. „An Silvester durfte ich nicht weg. Ich musste zuhause bleiben. Und geknallt werden durfte auch nicht. Es war sehr trist.“ Dagegen genoss er das Weihnachtsfest, denn an Weihnachten ging er mit seiner Familie zur Kirche und verteilte Essen an die Armen. Am ersten Weihnachtsfeiertag gab es Geschenke. Jetzt will er sich wieder auf die Schule hier vorbereiten, schließlich steht das letzte Schuljahr mit der mittleren Reifeprüfung am Ende der M 10 der Mittelschule von Mellrichstadt an. Er freut sich schon jetzt auf das Wiedersehen mit seinen Gasteltern, die im nächsten Jahr nach Mellrichstadt zu Besuch kommen wollen. Sabine Dittmar war sehr angetan von den Erzählungen des jungen Mellrichstädters und hofft, dass sich wieder junge Menschen aus der Region für Parlamentarische Patenschaftsprogramm melden.