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Chilenin ministriert bei der Christmette - Mainpost 06.01.2009

Gastschülerin Isabel Santiller engagiert sich auch außerhalb der Schule in der Gemeinschaft

Nicht "Warten aufs Christkind", sondern "Warten auf Isabel" hieß es im vergangenen Sommer für Jutta, Egon und Ann-Kathrin Zeitz aus Hammelburg. "Seit wir wussten, dass Isa zu uns kommt, haben wir wirklich die Tage gezählt, das war schon sehr spannend", sagt Mutter Jutta. Ann-Kathrin stimmt mit leuchtenden Augen zu, und sofort nimmt Isabel ihre Hand und drückt sie fest.

Isabel Santiller aus Coyhaique im Süden Chiles ist 16 Jahre alt und über die gemeinnützige Organisation AFS (American Field Service) für ein Jahr als Austauschschülerin bei der dreiköpfigen Familie. Die temperamentvolle Südamerikanerin verströmt jede Menge Frohsinn und Herzlichkeit und beugt sich abwechselnd zur Wahlschwester und zur Gastmutter, um ihre Zuneigung zu zeigen. Zusammen mit Ann-Kathrin besucht sie die zehnte Klasse des Frobenius-Gymnasiums. "Das Beste am Gymnasium sind die Muffins", lacht Isabel, doch die esse sie nur freitags, damit sie nicht zu sehr zunehme.

Als sie am 5. September hier ankam, sprach Isabel noch kein Wort Deutsch. Inzwischen versteht sie das Meiste, nur das Sprechen fällt noch etwas schwer, weshalb sie immer wieder auf Englisch ausweicht. "Ich denke hauptsächlich in Englisch", meint sie dazu. Doch ab Weihnachten soll konsequent Deutsch gesprochen werden, haben sich die Familienmitglieder vorgenommen.

"Das Beste am Gymnasium sind die Muffins"
Die leidenschaftliche Tänzerin hätte sich auch ein anderes Land als neue Wahlheimat aussuchen können, beispielsweise Frankreich oder Italien. Aber der Chef ihres Vaters habe ihr zu Deutschland geraten: "Die Deutschen sind sehr ordentlich und korrekt, und es ist gut für deine Zukunft, wenn du das lernst", habe er gesagt.

Apropos Zukunft: Als späteren Beruf kann sich Isabel Verschiedenes vorstellen, zum Beispiel Designerin oder Architektin, aber auch Sozialarbeiterin. Sozial engagiert sie sich nämlich seit längerer Zeit in ihrer Heimat. Dort hilft sie zusammen mit anderen Jugendlichen aus ihrer Kirchengemeinde jede Woche bei der Versorgung von Obdachlosen.

Und auch in Hammelburg kam sie über die Freundinnen von Annie schnell in eine Jugendgruppe hinein: Seit knapp zwei Wochen ist die Chilenin eine der 19 neuen Ministranten der Pfarrei St. Johannes. Zum ersten Mal wird sie in der Christmette Dienst tun und ist schon etwas aufgeregt. Da ist es gut, dass Amelie und Svea, die Gruppenleiterinnen und Freundinnen, sie mitnehmen und sich um sie kümmern.

"In Chile stellen die Leute künstliche Christbäume auf"
Und es ist gut, dass sie auf diese Weise an Heiligabend ein wenig abgelenkt wird. Denn Weihnachten ist nun einmal das Fest der Familie, aber die Eltern und der 22-jährige Bruder Javier sind weit weg an diesem Weihnachtsfest. "In Chile stellen die Leute künstliche Christbäume auf", und zwar schon am 1. Dezember. "Das ist normal bei uns, die machen keinen Dreck", schmunzelt Isabel. Die Geschenke werden an Heiligabend um Mitternacht ausgepackt, denn da kommt der Legende nach Santa Claus durch den Kamin.
Sprache und Kultur kennenlernen

Was ist Isabel aufgefallen hier in Deutschland? "Das mit der Ordnung ist wirklich so. Und die Leute sind so höflich, sie geben immer die Hand. Bei uns küsst und umarmt man sich zur Begrüßung, auch wenn man sich nicht kennt." Und so ist klar, dass die natürliche junge Dame auf die Frage, was sie an Chile besonders mag, antwortet: "Die Menschen! Hier sind die Leute anders, nicht besser oder schlechter, einfach anders".

Was für Wünsche hat Isabel für die verbleibenden Monate? "Die Sprache lernen, die Kultur kennen lernen, Deutschland bereisen und Berlin sehen". Und Annie? "Isabel noch besser kennen lernen, mehr über ihre Kultur erfahren und Freunde bleiben." Der Abschied im Juli wird schwer fallen, weiß Isabel schon jetzt: "Ich werde weinen."