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Der Weihnachtsmann heißt Joulupukki - Main-Post 20.12.2009

Anna aus Finnland über den Winter in Finnland und über Weihnachten

Anna Silén ist aus Finnland lebt seit September für ein Jahr als Austauschschülerin in Hausen. Wenn in diesen Tagen ihre Mitschüler des Würzburger Siebold-Gymnasiums, ihre Gasteltern Annette und Karl Erwin Rumpel oder Dorfbewohner bibbern und "brr, ist das kalt" sagen, lächelt Anna nur. "Es ist vielleicht ein bisschen frisch, aber nicht kalt", sagt die 18-jährige Finnin dazu. Kalt, das ist es in ihrer Heimat Finnland, wo im Winter 20 bis 30 Minusgrade sind normal.

Anna wohnt im Süden von Finnland, im "See-Finnland", sagt sie. Im Norden, in Lappland, da sei es richtig kalt und richtig Winter mit viel Schnee. Weihnachten ohne Schnee, das sei für Finnen ein Unding. "Wir wünschen uns immer eine weiße Weihnacht und haben sie auch fast immer", sagt Anna. Dass es von Oktober bis März nur wenige Stunden hell ist, stört sie nicht.

Wenn das Wetter schlecht ist, so wie im November oder Dezember bei Regen, fährt Anna mit dem Bus zur Schule. Aber der macht viele Umwege und der halbstündige Fußweg durch den Wald sei viel schöner.

"Wir Finnen lieben alle die Natur", behauptet Anna. Sie hat im Wald keine Angst. Wovor denn? Vor den Bären, Wölfen, Füchsen oder Elchen? "Die fürchten sich doch vor den Menschen". Vor Überfällen oder Angriffen? "Quatsch", sagt Anna, "bei uns gibt es nicht viele Leute und auf meinem Schulweg schon gar nicht". Für Anna gibt es nichts schöneres, als im Winter durch den Wald heim zu gehen. "Der Schnee macht das Land hell und als Lichter haben wir den Mond und die Sterne. Ich kann mich dabei prima entspannen", sagt sie.

Die deutschen Weihnachtstraditionen interessieren die Finnin. Einen Adventskalender kannte sie bisher nicht und auch nicht das liebevolle Schmücken der Häuser. Im Dezember dekorieren manche Finnen ihr Haus oder ihren Garten mit ein paar Lichtern, das komme schon vor. Den heiligen Nikolaus kennt sie auch nicht. Dafür das Lichterfest am Luziatag, dem 13. Dezember. Das wird in jeder Schule gefeiert. Mittelpunkt ist eine blonde, blauäugige Luzia mit Lichterkrone. Zwölf Mädchen mit weißen Gewändern und Kerzen begleiten sie auf ihrem Weg durch die Schule und in Krankenhäuser, wo Lieder gesungen werden.

Ein Christkind sei in Finnland nicht so wichtig, obwohl das Land größtenteils evangelisch ist und am Heiligabend auch die Messe besucht wird. Viel bedeutender ist der Weihnachtsmann, der Joulupukki. Er wohnt mit seiner Frau, seinen Helfern und den Rentieren am Korvatunturi in Finnisch-Lappland. „Das weiß bei uns jedes Kind und ich kann es bezeugen, denn ich habe schon auf seinem Schoß gesessen und mir etwas zu Weihnachten gewünscht“, erklärt Anna. Der Weihnachtsbaum selbst muss in Finnland groß sein und viel Glitter und Kerzen haben. Ähnlich wie hierzulande.

Anna ist der Sprache wegen nach Deutschland gekommen. Sie kann finnisch und schwedisch als die beiden offiziellen Landessprachen, sehr gut englisch und recht gut deutsch. Sie beobachtet gern und wundert sich, dass "die Leute viel mehr lächeln und sprechen als in Finnland". Dass sie im Dorf mit "Guten Morgen" oder "Hallo" freundlich gegrüßt wird, habe sie am Anfang richtig erschreckt. "Was wollen die denn von mir?", habe sie sich gefragt. In Finnland werde mehr mit Gesten oder kleinem Kopfnicken artikuliert.

Ein Vorurteil will Anna unbedingt ausräumen. "Sauerkraut und Bratwurst schmecken gut", sagt sie. Sie sei vor ihrer Reise nach Deutschland davor gewarnt worden.

Bei ihren Gasteltern Annette und Karl Erwin und deren Tochter Alina fühlt sich Anna wohl. "Fleißig, strebsam, unauffällig und interessiert" wird Anna von ihren deutschen "Eltern" beschrieben.

Schüleraustausch

Die internationale Schüleraustauschorganisation AFS kümmere sich mit Aktionen und Treffen um die jungen Leute. Im Landkreis Würzburg betreut AFS aktuell zwölf Austauschschüler. Anna ist die einzige Finnin.

Von unserer Mitarbeiterin Irene Konrad