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Deutsche Sprache öffnete alle Tore - Mainpost Würzburg, Ausgabe Main-Spessart vom 15.07.2010

Deutsche Sprache öffnete alle Tore

Junger Costaricaner ist für ein halbes Jahr Familienmitglied bei den Kriesters in Retzbach

 

RETZBACH (sam) Dass die Deutschen keineswegs kalt und unfreundlich sind, davon konnte sich der 17-jährige Gastschüler Bryan Andrees Brenes Rojas aus Costa Rica überzeugen. Für den seit Februar in den Kreis der Retzbacher Familie Kriester aufgenommene Mittelamerikaner ist es das erste Mal, dass er seiner Heimat so fern ist. In dieser Zeit hatte er nicht nur seine Schneepremiere, er fuhr auch das erste Mal mit dem Zug.

Die fünfköpfige Gastfamilie gibt sich alle Mühe, den Costaricaner nicht nur ins Familien-, sondern auch ins Dorfleben zu integrieren. So bereitete er sich zum Beispiel beim ansässigen Fußballverein schon einmal mental auf die bevorstehende Weltmeisterschaft vor, wobei er dann - auch nach einem Spielbesuch in der Allianz-Arena - gänzlich zum Bayern-Fan wurde.

Erste Berührungspunkte mit dem Gastland seiner Wahl gab es via Fernsehen. Und obwohl auch Italien und Australien in der engeren Wahl standen, habe es ihm die deutsche Sprache angetan, begründet er. Er beherrscht sie mittlerweile zwar in gemäßigtem Tempo, aber für nette Plaudereien fast perfekt.

Ging es sprachtechnisch in den ersten drei Monaten noch schleppend, mühsam und größtenteils nur auf Englisch voran, durchbrach er die Sprachbarriere sozusagen fast von heute auf morgen mit einem Riesensprung.

Seit diesem Moment hat sich seither alles grundlegend verändert. Es werden immer mehr Kontakte geknüpft, Freundschaften sind entstanden und auf Partys und bei gemeinsamen Unternehmungen ist er ein gerngesehener Gast - kurzum: Er gehört dazu.

Da kann man gut verstehen, dass er seinen sechs monatigen Aufenthalt in Deutschland gerne noch verlängern würde. Aber das Leben in Costa Rica will ihn bald wiederhaben. Im Februar beginnt die Universität. Da muss er sich einschreiben, weil er Ingenieur werden will.

Im Karlstadter Gymnasium, in das er seit fünf Monaten geht, gefällt ihm vor allem das viele Experimentieren im Physikunterricht. Das kennt er in dieser Form nicht. Das sei viel theoretischer im eigenen Land, nicht so lebendig, nur halb so spannend. Auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist dort ein anderes. Die Privatschule, in die er zu Hause geht, fasst gerade insgesamt 60 Schüler mit jeweils 15 Schüler starken Klassen. Da gibt es einen engen, fast freundschaftlichen, vertrauten Kontakt zum Lehrer.

Was ihm außer der Fußballmannschaft an Bayern noch gefällt? Na, die Klöße natürlich. Wahlweise auch gerne Bratwurst mit Kartoffelbrei. Zuhause isst er am Liebsten Gallo Pinto, ein Reis-Eier-Bohnengericht, das man dort auch schon zum Frühstück verzehrt.

Der Kontakt zwischen Familie Kriester und Bryan fand über die Organisation AFS statt, den American Field Service. Das ist eine nach dem Eersten Weltkrieg von US-Soldaten gegründete Institution, die den Austausch verschiedener Kulturen, gerade für Jugendliche, die in dieser Hinsicht noch besonders empfänglich und offen sind, fördern wollte. Davon sollte nicht nur das Gastkind, sondern auch seine Gastfamilie profitieren. Aus diesem Grund werden das ganze Jahr über Familien gesucht, die sich vorstellen können, Jugendliche anderer Kulturen bei sich auf- und anzunehmen, sozusagen als echten Familienzuwachs.

In der Regel nehmen die Jugendlichen dann elf Monate am Familienleben teil. Bryan bildet mit seinen sechs Monaten die Ausnahme. Während der gesamten Zeit stehen den Gastkindern, aber auch den Gasteltern Betreuungspersonen zur Seite, falls es zu Irritation zwischen den Kulturen oder offenen Fragen kommt. Stimmt die Chemie zwischen Gasteltern und Kinder nicht, besteht die Möglichkeit, die Familie zu wechseln. Die Organisation veranstaltet dreimal ein Camp, an dem die Jugendlichen teilnehmen und so die Möglichkeit haben, sich mit anderen auszutauschen.