Die Zeit verfliegt

 

19.11.2010

Hallihallo!

Dieses Mal beginne ich mit einer Frage: Verfliegt die Zeit in Deutschland auch so schnell wie hier in Shanghai? Also es geht hier alles rasend schnell. Nicht unbedingt, dass der Lebensrhythmus in einer Großstadt schneller ist - das beeinflusst mich eigentlich gar nicht so sehr, da ich mich dadurch nicht stressen lasse. Nein, ich meine, dass die Stunden, Tage, Wochen nur so vergehen! Ich bin jetzt schon bald drei Monate hier und damit ist schon fast ein Drittel des Aufenthaltes vergangen - kaum zu glauben. Einerseits habe ich das Gefühl, dass die Zeit so schnell vergeht und es kommt mir noch gar nicht so lange vor. Andererseits aber fühle ich mich hier schon so heimisch und wohl, dass ich das Gefühl habe, schon ewig hier zu sein!

Ja, in den letzten Wochen war sehr viel los und in den nächsten wird es nicht weniger werden!
Heute möchte ich vor allem von meinem Engagement außerhalb meiner Arbeit von HandsOn Shanghai erzählen, die mir nach wie vor sehr großen Spaß macht, gerade weil ich immer mehr Eigenverantwortung bekomme und schon meine ersten Projekte selbst geleitet habe und organisiere.
Zunächst zu meiner Arbeit bei Roots&Shoots. Hier bringe ich mich in verschiedenen Feldern ein.
Zunächst habe ich bei einer Schulung für das Eco-Audit-Programm teilgenommen. Das heißt, dass ich nun Firmen, Schulen,... auf Umweltfreundlichkeit testen kann. Diese Tests sind zwar nur eine relativ grobe Annäherung und nicht so professionell wie die von Unternehmen, die dafür viel Geld verlangen. Doch wecken sie trotzdem Bewusstsein für den Umwelt- und Ressourcenschutz, sowohl bei den Testern als auch bei den Getesteten. Und man kann einen Fortschritt sehen. Ich werde dieses Programm in unserem Büro von HandsOn durchführen, vllt auch im Krankenhaus meiner Gastschwester und ein paar Migrantenschulen. Am Ende schreibt man einen Bericht über die Umweltfreundlichkeit der getesteten Einrichtung und gibt Vorschläge zur Verbesserung der Situation. Außerdem führt man den Test normal nach einem halben Jahr nochmal durch, um den Fortschritt zu sehen. Oft, wenn das Programm in Schulen durchgeführt wird (von Schülern), dann wird es auch auf zu Hause ausgeweitet und man berechnet seinen eigenen Co2-Fußabdruck und versucht, ihn zu reduzieren.
Als zweites war ich auf der einen Biofarm, die mit Roots&Shoots zusammenarbeitet und habe dort einen Lehrgang für ökologischen Anbau mitgemacht. Es waren zwar nur Basiskenntnisse und vieles wusste ich dank unseres eigenen Gartens zu Hause schon. Doch es war sehr interessant, die Farm zu besichtigen. Außerdem kann ich nun, falls ich mal Zeit habe, am "Organic Garden Program" teilnehmen, dass so etwas wie in Deutschland der Schulgarten ist.
Weiterhin stehe ich im Moment auch mit Roots&Shoots Deutschland im Kontakt, um eventuell einen Austausch der beiden Institute ins Leben zu rufen.
Als letztes und wichtigstes Arbeitsfeld bei Roots&Shoots für mich im Moment ist das Million Tree Project zu nennen. Dieses Projekt hat es zum Ziel bis 2014 1 Million Bäume in der Inneren Mongolei zu pflanzen. Dazu habe ich euch ja schon einen Brief mit genaueren Informationen gesendet. Noch einmal herzlichen Dank an alle, die mich bei dem Projekt unterstützen. Ich koordiniere unsere deutsche Gruppe, d.h. ich bin die Kontaktperson für das Büro, suche nach neuen Möglichkeiten, Spenden zu sammeln, kontaktiere Unternehmen und organisiere unsere Gruppentreffen. Im Moment nehmen wir fast jedes Wochenende und auch unter der Woche an Märkten teil, wo wir einen Stand haben und Bäume verkaufen. Außerdem wollen wir noch mal ein größeres Event organisieren, das liegt aber noch in der Zukunft.
Neben meiner Arbeit bei Roots&Shoots und HandsOn helfe ich noch meiner Gastfamilie bei ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten. So war ich zum Beispiel Expo-Freiwillige für meine Gastmutter oder habe bei der Organisation eines Spendenkonzertes meiner Gastschwester geholfen. Es war ein riesen Event und ein voller Erfolg. Sie hat ein Konzert von 2h länge mit allen möglichen Musikrichtungen organisiert. Vorher war noch ein Buffet und eine Auktion. Alle Einnahmen und Spenden gingen an eine Organisation, die Mifanmama (Reismütter) heißt. Sie unterstützt ein Waisenhaus in Anhui (eine chin. Provinz). Bei dem Konzert konnten fast 80 000 RMB gesammelt werden. Mit diesem Geld werden Operationen für die Kinder dort finanziert, die oft lebensgefährdende Krankheiten haben.
Ich hoffe, die Beschreibung meiner Arbeit war nicht zu langweilig. Ich wollte nur erklären, warum ich so viel zutun habe und nicht so oft zum E-mails-Schreiben komme!
Zwischendurch hat mich auch eine Erkältung gepackt. So bekam ich die Gelegenheit, die Heikünste meiner Gastmutter und der chin. Medizin auf die Probe zu stellen. Es hat super geholfen!
Letztes Wochenende habe ich dann noch Besuch von meiner ehemaligen Chinesischlehrerin aus Guangzhou bekommen. Sie ist extra wegen mir nach Shanghai geflogen und wir haben einen Tag gemeinsam verbracht. Es war sehr schön und so wie immer mit ihr! Wir haben uns unterhalten und waren dem Wasserdorf Zhujiajiao.
An dem gleichen Wochenende hat meine Gastschwester ihren Geburtstag vorgefeiert. Denn in China bringt es angeblich unglück, ihn nachzufeiern. Da meine Gastschwester im Moment mit der Schule unterwegs ist und am Geburstag nicht zu Hause war, haben wir ihn also letzten Freitag gefeiert. Wir gingen zusammen essen. Ich wollte ihr einen Kuchen backen. Die ganze Situation wurde dadurch erschwert, dass sie eine Nussallergie hat und ein einfacher Schokokuchen so nicht möglich war. Dazu hätte ich die Zutaten ohne Probleme bekommen. Also versuchte ich micht mit einen Käsekuchen. Doch schon mein Einkaufen im Carrefour stand ich vor dem Quark-Problem. Es gab alle möglichen Käse - und Joghurtsorten, aber keinen Quark. An Schmand garnicht erst zu denken! Also stellte ich meine Improvisationskunst auf die Probe. Ich kaufte verschiedene Milchprodukte als ersatz ein, von denen ich dachte, dass sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den von mir benötigten Produkten haben. Das Kuchenbacken war dann reine Handarbeit, da keine Küchenmaschine vorhanden war. Ich rührte alles per Hand an. Als ich dann fast fertig war, fand unsere Haushälterin plötzlich einen Schneebesen! Immerhin konnte ich mir so wenigstens beim Eischnee noch eine Erleichterung verschaffen! Glücklicherweise gelang der Kuchen, auch wenn er natürlich nicht wie in Deutschland schmeckte. An einem Tag war er aufgegessen! Meine Gastschwester freute sich sehr darüber!
Als letztes für heute bleibt es noch, von der Hochzeit meiner einen Kollegin zu erzählen, die letzten Mittwoch stattfand. Dazu fuhren wir alle in ihr Heimatdorf. Am ersten Abend, als wir ankamen, wurden wir gleich herzlich empfangen. Für uns wurde aufgetischt: 22 Speisen! Außerdem wurde mit Wein angestoßen. Ich reagierte schnell und füllte mein Glas mit Saft bevor der Wein kam, sodass ich keinen Alkohol trinken musste! Meine eine Kollegin, die nichts verträgt und nichts gegessen hatte bevor sie anstieß, war gleich betrunken! Am nächsten Tag war dann die Hochzeit. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Zuhause meiner Kollegin. Dort aßen wir zu acht (=Glückszahl) je sechs Tangyuan (runde Teigbällchen in Suppe). Das soll eine glückliche Familie symbolisieren. Danach gab es dann bald Mittagessen mit noch mehr Speisen als am Vorabend. An dem Tag waren etwa 50 Leute zum Mittagessen da und alles war selbstgekocht. Es wurde wieder angestoßen. Danach hatten wir Spiele für den Bräutigam vorbereitet. Er musste durch 3 Türen zur Braut kommen. An jeder Tür wartete eine Aufgabe auf ihn. Es war sehr lustig und machte Spaß, ihm das Leben schwer zu machen, bis er zur Braut kam. Er musste ein deutsches Gedicht aufsagen, verschiedene Dinge essen, Gegenstände suchen,... Danach hatten wir bis zum Abendessen im Restaurant freie Zeit. Wir Arbeitskollegen spielten Spiele. Es war wieder sehr lustig und wir hatten unseren Spaß. Auch nach dem Abendessen spielten wir weiter. Das Abendessen war riesig, bestimmt 40-50 Speisen. Es waren etwa 200 Leute eingeladen. Das Brautpaar machte noch Spiele und es wurde gesungen. Dann war die Hochzeit vorbei. Am nächsten Morgen schliefen wir aus und fuhren dann wieder nach Shanghai. Im großen und ganzen muss ich sagen, dass ich es eine ziemliche Verschwendung an Essen fand. Meine Kollegin fand die Hochzeit etwas lästig, weil es viel Arbeit war, doch ihre Eltern hätten ihre Heirat sonst nicht als gültig akzeptiert. Mir hat der Ausflug sehr großen Spaß gemacht, weil die Zeit mit meinen Kollegen sehr schön war. Sie sind zwar fast alle viel älter als ich, doch man merkt denn Unterschied nicht so. Und sie sind sich nicht zu alt oder kommen sich nicht albern vor, wenn wir irgendwelche Spiele machen. Es ist immer schön. Auch die Unterhaltungen. Durch diese Fahrt sind wir noch mehr zusammengewachsen - Teambuilding eben.

So, ich hoffe, meine Erzählungen waren nicht zu langatmig. Ich gehe jetzt auch endlich ins Bett - es ist schon fast 2 Uhr morgens. Am Wochenende werde ich wieder arbeiten!

Viele Grüße nach Deutschland!
再见
Theresa