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Bericht über mein Gastschuljahr in Thailand mit AFS 08-09

Bericht über mein Gastschuljahr in Thailand mit AFS vom April 2008 bis Februar 2009

"Jetzt fängt das Partyleben an, ich darf endlich Diskoluft schnuppern, länger ausgehen und langsam in die Erwachsenenwelt eintauchen", darauf freuen sich die Jugendlichen hierzulande an ihrem 16. Geburtstag und das war auch bei mir vor gut einem Jahr nicht anders. Trotzdem habe ich mich Mitte der 10. Klasse für ein völlig anderes Leben auf Zeit entschieden, bin für ein knappes Jahr als Gastschülerin nach Thailand gegangen und habe dort ein gänzlich anderes Leben geführt. "Weshalb gerade nach Thailand?", fragen mich alle in diesem Zusammenhang sofort. Mein großer Bruder Jakob war vor fast 3 Jahren mit der Gastschulorganisation AFS in Guatemala/Mittelamerika und seine durchwegs positiven Erfahrungen haben mich zu einem Auslandsschuljahr animiert. Auch ich wollte das Leben auf einem anderen Erdteil kennen lernen, meine Wahl fiel auf Asien und letztendlich auf Thailand.

Vier Wochen vor der Abreise bekam ich nähere Informationen über meine Gastfamilie und welch ein Schock, sie lebten auf der touristischen Insel Phuket im Süden Thailands, wo ich doch so sehr mit einem Aufenthalt im Norden geliebäugelt hatte. Die erste Kontaktaufnahme mit meiner "neuen Familie" verlief allerdings sehr positiv und so ließ ich mich also auf das bisher größte Abenteuer meines Lebens ein und reiste Anfang April 2008 nach Thailand. Meine Reise trat ich völlig unvoreingenommen an, verbunden mit dem aufrechtigen Wunsch, während meines Aufenthaltes viel über das Thailand von gestern und heute und seine Menschen zu erfahren. Diese Einstellung hat mir während meines Aufenthaltes sehr geholfen und mich über manche Klippe getragen und ich entdeckte mit der Zeit, wie interessant und wertvoll es sein kann, eine andere Art des Lebens kennen zu lernen. Ich wollte es in Thailand nicht wie zu Hause haben, ich wollte in Thailand zu Hause sein. Und das habe ich letztendlich auch geschafft. Doch nun der Reihe nach:

Was soll ich sagen, meine Gastfamilie stellte sich als wahrer Glücksfall heraus und ich lebte in Phuket wie in einer ganz normalen thailändischen Kleinstadt, fernab vom Touristenrummel. Meine Familie wohnt in einem großen eigenen Haus in einer ruhigen, streng bewachten Siedlung. Mit einem Zaun grenzt sich die gehobene Mittelschicht von der ärmeren Bevölkerung ab, vor dem Betreten des Wohnviertels muss man einen Schlagbaum passieren, was für mich anfangs eher gewöhnungsbedürftig war. Mein Gastvater Nok arbeitet als leitender Angestellter für eine Milchfabrik, er konnte viele Arbeiten per Telefon erledigen, musste nur ab und an in seinem Büro vorbei schauen und hatte dadurch unendlich viel Zeit für mich. Meine Gastmutter Dai ist selbständig in der Bekleidungsbranche tätig und nahm sich ebenfalls sehr viel Zeit für mich. So entstand bereits nach kürzester Zeit –trotz nicht unerheblicher Sprachbarrieren- ein inniges Verhältnis. Zwei meiner Gastbrüder (19 und 17 Jahre alt) sah ich leider selten, sie studieren und leben in Bangkok,  mein 14jähriger Gastbruder Gap wuchs mir jedoch schnell ans Herz und wir wurden bald zu richtigen Geschwistern.

Die ersten sechs Wochen hatte ich Ferien und somit genug Zeit mich einzuleben, an das schwüle Klima zu gewöhnen und in die thailändische Sprache einzuhören. Meine Gasteltern lernten täglich mehrere Stunden Thai mit mir und so konnte ich mich bereits nach kürzester Zeit verständigen, bis zum Ende meines Aufenthaltes lernte ich diese exotische Sprache fließend sprechen und verstehen. Verwendet werden einsilbige unveränderte Wörter, grammatische Funktionen wie Modus, Zahlen oder Geschlecht werden durch eigene Wörter ausgedrückt. Dafür gibt es aber sechs verschiedene Tonhöhen, eine Silbe kann, in verschiedenen Tonhöhen ausgesprochen, mehrere völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Die Sprache ist zudem sehr bildhaft und blumig.

Zum Schulbeginn musste ich mir von einem Straßenfriseur die Haare kinnlang zur Thaifrisur zurechtstutzen lassen, was umgerechnet gerade einmal einen Euro gekostet hat und mir wurde eine Schuluniform mit einem dicken blauen Rock und fliederfarbener Bluse verpasst. Dazu trägt man stilecht weiße Strickstrümpfe und klobige schwarze Schuhe im Manga-Style. Besonders "hübsch" war die Sportuniform, eine mindestens vier Nummern zu große unförmige Jogginghose und eine dazu passende Bluse. An manchen Tagen trägt man auch das gelbe Königs-T-Shirt, denn Staatsoberhaupt ist König Bhumiphol, fast alle Thais lieben ihn, er gilt als unverletzlich und ist zumindest der Verfassung nach, die über allem und allen  stehende Instanz.

Beim täglichen Morgenappell am Pausenhof (hier wird u.a. die Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen) lernte ich nach und nach alle Lehrer und sehr viele Schüler/innen kennen, doch bei 4500 Leuten verlor ich ab und an den Überblick. Als einzige „Weiße“ wurde ich die meiste Zeit wie ein Popstar behandelt, was mir äußerst peinlich war. Erstaunte Blicke, niedliche kleine Geschenke, die plötzlich auf meinem Pult lagen und Zurufe wie "I love you"  standen an der Tagesordnung. Die Schule ging von 7.30 Uhr bis 17.00 Uhr, der Unterricht erfolgte natürlich in Thai und ich lernte so außergewöhnliche Dinge wie Fruchtkunstschnitzen, Thaitanz, das Spielen thailändischer Musikinstrumente und Thaikochen. Was mich anfangs sehr verwunderte: Die Thais lernen vom ersten Schultag an Englisch und können nach 10 Jahren immer noch nicht viel. Das liegt am fehlenden Lehrplan, an den nichtvorhandenen Büchern und unmotivierten bzw. nicht ausgebildeten Lehrern aus den verschiedensten Ländern. Dafür sind die thailändischen Schüler in den naturwissenschaftlichen Fächern erstaunlich gut, hier werden sie von einheimischem Personal unterrichtet.  Das Verhältnis zwischen den Schülern und Lehrern ist widersprüchlich: Einerseits haben die Kinder und Jugendlichen unheimlich viel Respekt vor den Lehrern, andererseits gehen sie sehr freundschaftlich miteinander um, essen zusammen und sprechen sich mit Vornamen an. Die Schüler/innen müssen entsetzlich viele Regeln einhalten, in den ersten Wochen verlor ich häufig den Überblick und tappte  in manches Fettnäpfchen: So lief ich einmal mit einem Kuchenstück durch die Gänge und biss kräftig davon ab. Eine Lehrerin kam auf mich zu, schimpfte mich aus, da man nicht im Laufen essen durfte und verpasste mir gleich einen leichten Stockschlag auf die Beine. Ein andermal wurde ich getadelt, weil ich mit verschränkten Beinen im Unterricht saß, dieser Fauxpas zog auch einen leichten Rutenhieb nach sich, nicht schmerzhaft, aber lehrreich. In Thailand ist man der Meinung, Kinder lernen eher durch Taten als durch Worte. Die Lehrerschaft kontrolliert am Anfang eines jeden Schultages auch die Frisuren der Schülerinnen und Schüler, zu lange Haare werden bei Bedarf gerne mal an Ort und Stelle abgeschnitten oder abrasiert. Lange oder gar lackierte Fingernägel sind natürlich ebenso verboten und selbstverständlich trägt man kein Make-up und keinen Schmuck, so werden Eifersüchteleien unter der Schülerschaft vermieden. 

Die Schüler/innen untereinander hegen nur lose Freundschaften, man geht nicht in die Tiefe, denn in Thailand ist es allgemein verpönt, mit anderen über seine Gefühle zu reden. So besprechen z.B. auch Kinder und Eltern nur oberflächliche Dinge miteinander, was mir vor allem in der ersten Zeit sehr zu schaffen machte. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber daran und lernte vieles mit mir selbst auszumachen. Thaikinder haben sich stets unterzuordnen, der Wille und die Meinung der Lehrer und Eltern stehen über allem, man darf ihnen niemals widersprechen. Es ist für einen Thai enorm wichtig, immer das "eigene Gesicht" zu wahren, Fassung zu behalten und stets zu lächeln. Wer diese "Spielregeln" nicht einhält, der fällt durch das Raster und landet enorm schnell außerhalb der Gesellschaft.

Mit meinen Freundinnen ging ich am Wochenende meistens in die Stadt, wir bummelten, gingen ins Kino oder zum Essen, einer Lieblingsbeschäftigung der Thailänder. Vor jedem Treffen musste ich meinen Gasteltern genau erzählen, mit wem ich weggehen wollte, Jungs sollten möglichst nicht dabei sein. Mein Gastvater zog Erkundigungen über die jeweiligen Familien ein und entschied darüber, ob er mir den Umgang erlaubte oder eben nicht. Das mag sich für Deutsche sehr krass anhören, ist aber in Thailand ein normaler Vorgang und stellte für mich mit der Zeit kein großes Problem mehr dar. Die thailändischen Jugendlichen benehmen sich wesentlich kindischer als die deutschen jungen Leute, 16jährige Thais entsprechen in etwa 12jährigen Deutschen. Kein Wunder, denn sie dürfen nichts selbst entscheiden und dürfen viel länger Kind sein als die deutschen Kinder. Ich fand das manchmal ganz angenehm und konnte mich mit meinem kleinen Gastbruder oft richtig kindisch benehmen ohne aufzufallen.

Ich wohnte zwar auf einer Trauminsel, an den Strand ging ich jedoch selten, denn die Thais meiden jeden Sonnenstrahl, weiße Haut gilt als absolut erstrebenswert und schön. Zudem können die wenigsten Menschen in Phuket schwimmen, sie haben sogar Angst vor dem Meer, weil dort immer noch die Geister der Opfer des Tsunami wohnen. Überhaupt glauben die Thais viel an Geister, neben dem Buddhismus herrscht großteils der Animismus vor, der Geisterglaube. In thailändischen Haushalten leben angeblich Geister, für sie stehen in den Gärten richtige Häuschen und sie werden darin mit Essen und Getränken versorgt und manch anderen nützlichen und unnützen Dingen. Umgekehrt sorgt der Hausgeist für das Wohlergehen der Familienmitglieder, er wird bei Krankheiten um Hilfe gebeten oder auch  wenn es einmal um einen Lottogewinn geht. In meiner Gastfamilie war ich für die Versorgung der Geister zuständig, ich legte ihnen meistens etwas Obst ins Geisterhaus. Da das Wohnhaus unserer Familie ziemlich neu war, musste es in einer feierlichen Zeremonie von Geistern befreit werden und ich durfte dabei sein. Dafür kamen neun Mönche an (ungerade Zahlen sind gute Zahlen), beteten mit uns und vielen Gästen und trieben die Geister aus dem Haus. Dieser wichtigen Handlung schloss sich ein Fest an, bei dem eine unglaubliche Menge an leckerem Essen serviert wurde. 

Die Thais gehen sehr unverkrampft mit ihrer Religion um, der Glaube ist mehr in das alltägliche Leben mit einbezogen, als hier bei uns in Deutschland. Ich bin oft schon frühmorgens mit meinen Eltern zum Tempel gegangen, um den  (Bettel-)Mönchen Essen zu bringen. Eine Frau muss sehr darauf bedacht sein, dass sie bei der Essensübergabe keinen Mönch berührt, der muss sich sonst einem mehrtägigen komplizierten Reinigungsritual unterziehen. Im Tempel bringt man Blumen und Räucherstäbchen als Opfergaben dar, die Schuhe werden vor der Türe ausgezogen, bei großem Andrang ist es oft mühevoll, später die eigenen Schuhe wieder zu finden.

Die Thais sind ein sehr höfliches Volk, das führt manchmal zu aberwitzigen Situationen. So gibt es in Phuket einen Kreisverkehr in dessen Mitte die Statuen von zwei anbetungswürdigen Frauen stehen. Jeder Thai, wirklich jeder!!!, lässt  bei der Einfahrt in den Kreisverkehr das Lenkrad los, egal wie viel Verkehr nun gerade ist und macht einen Wai, den traditionellen Gruß. Hierzu werden die beiden Handinnenflächen aneinander gelegt und in unterschiedlicher Höhe vor das Gesicht oder die Brust gehalten, abhängig vom sozialen Status der Beteiligten. Immer der niedriger Gestellte beginnt den Wai, die Fingerspitzen liegen dabei an der Nase, der Kopf wird gleichzeitig gebeugt, es gibt also keinen Blickkontakt. Der Höhergestellte erwidert den Wai im Normalfall und legt dabei die Fingerspitzen auf Brust- oder Kinnhöhe. Mönche erwidern den Wai von Laien nicht, sie grüßen nur höhergestellt Mönche.

Und nun zum allerwichtigsten Punkt im thailändischen Alltag, dem Essen:

Das Essen gehört zu den wirklich großen Leidenschaften der Thais und ich habe oft gestaunt, was diese meist kleinen und schlanken Menschen so alles in sich hinein stopfen können. Bei keinem Besuch kann man einer Einladung zum Essen ausweichen, wobei nicht zwischen den Mahlzeiten unterschieden wird, es wird zu allen Tageszeiten das Gleiche gegessen, nur eben anders zubereitet. Gegessen wird immer dann, wenn man hungrig ist und die Thais sind meistens hungrig. Der Tag begann auch für mich häufig mit einer Nudelsuppe (die isst man witzigerweise mit Stäbchen, alle anderen Sachen kann man auch mit dem Löffel oder der Gabel essen) oder meinen geliebten Rotis, das sind indische Pfannkuchen. Ich bin mit meiner Familie gerne außerhalb zum Frühstücken gegangen, also in irgendeine Garküche an der Straße oder in einem Hotel. Kurioserweise zieht man sich dafür nicht einmal an, wir sind also meist im Schlafanzug zum Frühstück gefahren und haben uns anschließend daheim erst schulfertig gemacht. In der Schule hatten wir eine große Kantine, Hausfrauen aus der Gegend kamen jeden Tag und beluden die Theke mit ihren hausgemachten Köstlichkeiten. Das Essen kostet dort inklusive Getränk etwa umgerechnet etwa 30 Cent und ist wirklich sehr schmackhaft. Zu jedem Essen gehören Reis und das typische Thaicurry, welches in verschiedenen Schärfegraden serviert wird. Nach meinem Thailandaufenthalt bin ich in der Lage den höchsten Schärfegrad zu essen, was mir anfangs geradezu unmöglich schien. Schon beim Riechen an den Speisen bekam ich Nasenbluten und aufgesprungene Lippen, aber tapfer habe ich mich an immer schärfere Speisen heran getastet. Und das hat sich letztendlich ausbezahlt, denn sonst hätte ich viele Gerichte der überaus schmackhaften Thaiküche versäumt. In meiner Familie wurde eher selten daheim gekocht, wir haben lieber eine der unzähligen Garküchen am Straßenrand aufgesucht, dass ist nämlich nicht viel teurer als daheim zu kochen, man spart sich dafür die Arbeit. Nur wenn mein Gastvater Lust auf "Westernküche" hatte, dann wurde bei uns der Herd angeschmissen und ich musste Schnitzel braten, ein Nudelgericht zubereiten, Kartoffelbrei machen oder den von allen heiß geliebten Pudding kochen. Mein Vater stellte mich allen Bekannten und Verwandten anfangs als "beste Puddingköchin der Welt" vor, meine deutsche Mama sorgte mit Paketsendungen dafür, dass die Puddingzufuhr nie versiegte. Für meine Frikadellen musste das Fleisch per Hand klein gehackt werden, eine Riesenarbeit und Semmelbrösel für die Schnitzel bereitete ich aus getrocknetem Toastbrot selbst zu. Die Grundausstattung in unserer Küche ist eher mager, so gibt es in den Thaiküchen ja nicht einmal einen Backofen, aber mit etwas Fantasie und Improvisationstalent brachte ich bei Bedarf stets ein schmackhaftes Essen auf den Tisch. Ich selbst aß natürlich am Liebsten die thailändischen Gerichte und habe wirklich alles probiert, was mir vorgesetzt wurde, egal wie exotisch es mir auch vorkam. Ich hatte dabei nie Angst, dass man mir etwas geben würde, was ungenießbar wäre und so war es auch. Von hundertjährigen Eiern, allen erdenklichen  Insekten und  Innereien bis hin zur  Vogelnestsuppe habe ich alles gegessen und es ist mir stets bestens bekommen, wobei ich alle Arten von Seafood am meisten bevorzugte.  Nur einmal bekam ich eine leichte Nahrungsmittelvergiftung und das kam so: Meine Gastmutter musste mit dem kranken Gastopa nach Bangkok fahren, denn nur dort gibt es die guten Ärzte. Mein Gastvater nutzte die Situation sofort aus und ging mit uns Kindern zum Pizzaessen, was meine Gastmutter normalerweise nicht so gerne hat. Und was soll ich sagen, nach der Pizza war uns allen hundeelend zumute, ich musste sogar das Krankenhaus in Phuket aufsuchen, wurde mit allerlei obskuren Tinkturen wieder nach Hause geschickt und hatte noch tagelang schlimme Bauchschmerzen.  Im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelaufnahme fällt mir noch eine irre Geschichte ein:  Im Mädchenklo meiner Schule fing der Hausmeister eines Tages eine cirka 3 m lange Schlange ein, ich möchte gar nicht wissen wie lange die darin gehaust hat und vor allem wovon sie sich in dieser Zeit ernährt hat. Aber was soll ich sagen, aus dem toten Reptil wurde von der Hausmeisterin ruckzuck ein schmackhaftes Gericht zubereitet.

Durch meinen fast einjährigen Aufenthalt in Thailand konnte ich nahezu alle Feste im Jahreskreis miterleben. Am meisten beeindruckt hat mich dabei das "Vegetarian Festival", es ist das wichtigste Ereignis auf Phuket, wird von den Einwohnern chinesischer Abstammung zelebriert und findet während der ersten 9 Tage des neunten Monats des chinesischen Kalenders statt, d.h. Ende September, Anfang Oktober. Zum ersten Male geschah dies im Jahre 1825.

Der Überlieferung nach soll eine chinesische Theatergruppe die Bevölkerung Phukets durch Rufen der Götter und durch Fasten von einer tödlichen Epidemie errettet haben. Fasten ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil dieses Festes, während dessen in Umzügen durch die Stadt zum Teil grauenerregende Szenen geboten werden. Das Phuket Vegetarian Festival ist wirklich nichts für schwache Nerven, aber auf jeden Fall sehenswert. In einer Art Trance wandern Einheimische durch die Strassen von Phuket Stadt und stechen sich Messer und Spieße durch die Haut.

Es müssen gewisse Regeln (kein Alkohol, kein Nikotin, keinen Sex) strikt eingehalten werden. Die Wichtigste besteht darin, dass während 10 Tagen keine tierische Nahrung verzehrt werden darf und man weiße Kleidung trägt.

Eine tolle Erfahrung war für mich auch meine Teilnahme an einer Parade zum Abschluss eines großen Sportfestes an meiner Schule. Ich wurde von meinen Mitschülern ausgewählt und durfte in einem prächtigen Kostüm in der Parade mitlaufen, was eine große Ehre für mich und meine Familie war. Meine Gastmutter war daher besonders aufgeregt und half mir bei den Vorbereitungen. Morgens hatte ich einen mehrstündigen Termin bei einer Visagistin und beim Friseur, danach erkannte ich mich unter all den Make up Schichten und meiner Turmsfrisur kaum mehr selbst im Spiegel. Mein prachtvolles Kostüm, geschneidert nach dem Lieblingskleid einer ehemaligen Königin,machte mein Outfit perfekt, meine Gastfamilie war mit meinem Aussehen sehr zufrieden und knipste anschließend bestimmt 200 Fotos von mir. Bei der Parade selbst war ich die Attraktion, jeder wollte ein Foto von der Ausländerin im Thaikostüm, dadurch wurde der ganze Zug aufgehalten, was mir natürlich unendlich peinlich war. Aber ich musste mich auf meinen Gang konzentrieren, denn ich bin es wahrlich nicht gewohnt auf 8 cm hohen Hacken durch die Gegend zu stolzieren und dabei ständig zu lächeln. Ich weiß auch nicht mehr, was mir nach der Parade mehr wehgetan hat, meine wunden Füße oder meine Backen vom Lachen.

Nun bin ich schon wieder gut 3 Monate zuhause in Deutschland und ich will nicht verschweigen, wie schwer es mir in der Anfangszeit hier gefallen ist. Deutschland erschien mir auf einmal so fremd, die Menschen kamen mir unterkühlt vor, es war Februar und bitterkalt und der Schulbetrieb äußerst gewöhnungsbedürftig. Zudem war für meine Freunde hier das Leben ja weiter gegangen und mir fehlte fast ein Jahr davon, ich kam mir oft vor wie eine Außenseiterin und wollte zurück nach Thailand. Meine Familie empfing mich mit offenen Armen und tat ihr Möglichstes,um mir mein Einleben zu erleichtern und es war auch für sie in den ersten Wochen bestimmt nicht immer leicht mit mir. Mittlerweile ist diese Phase auch schon Geschichte. Ich habe mich gut hier eingefunden und lebe inzwischen wieder ein ganz normales deutsches Leben. Denke ich zurück an mein Gastschuljahr in Thailand, dann kommt mir das alles wie ein ferner Traum vor und ich kann gar nicht glauben, dass ich wirklich vor nicht allzu langer Zeit für 11 Monate dort gelebt habe. Ein riesengroßes Abschiedsplakat von mir und meiner Thaifamilie hängt bei mir im Flur und erinnert mich täglich daran, dass ich das alles wirklich erlebt habe. Etwa alle 2 Wochen telefoniere ich mit meiner Gastfamilie oder wir mailen uns. So nehme ich auch weiterhin teil an ihrem Leben und sie an meinem. Ich habe zudem einen großen Wunsch: Nächstes Jahr möchte ich mit meiner Familie nach Thailand reisen, ihnen all meine Lieblingsplätze zeigen und sie natürlich meiner Gastfamilie vorstellen.

Ich bedanke mich bei meinen Eltern, dass sie mir ein Gastschuljahr in Thailand ermöglicht und das dafür nötige Vertrauen aufgebracht haben. Ich weiß, dass die lange Zeit der Trennung nicht immer leicht für sie gewesen ist, auch wenn sie versucht haben mich das nicht spüren zu lassen. Mein großer Dank geht natürlich auch an meine Thaifamilie. Sie haben mich vom ersten Tag an wie ihr eigenes Kind behandelt und mich mit Liebe und Zuneigung überhäuft. Zuletzt geht mein Dank an AFS, den American field service und hier natürlich ganz besonders an das Komitee Würzburg. Ich wurde vom AFS bestens auf mein Auslandsjahr vorbereitet und betreut. Künftig will ich selbst im Komitee Würzburg mitarbeiten, indem ich Gastschüler aus anderen Ländern betreue oder neue Austauschschüler auf ihr Abenteuer Auslandsjahr vorbereite. Ich kann nur jedem Jugendlichen raten mutig zu sein, den Schritt zu wagen und ein Gastschuljahr mit AFS im Ausland zu verbringen, ihr werdet es nicht bereuen!

Judith Schmid