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Die 16-jährige Marina aus Barcelona wohnt zehn Monate bei Familie Langner in Retzbach

 

  • Foto: Lucia Lenzen
    Platz genommen in der Familienmitte: Seit September 2013 wohnt die 16-jährige Marina aus Barcelona (Dritte von links) über das Austauschprogramm AFS bei Familie Langner (von links: Nils, Anja, Hannes und Steffen) in Retzbach.

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Wie ist das Wetter in Deutschland? Und wo liegt überhaupt Retzbach? Das waren die beiden Fragen, die die 16-jährige Marina aus Barcelona als Erstes beschäftigten, nachdem sie erfahren hatte, wo sie während ihres Schüleraustausches wohnen wird. Im September 2013 kam die Spanierin am Würzburger Hauptbahnhof an und wurde von ihrer Gastfamilie aus Retzbach abgeholt. „Ich war sehr aufgeregt und habe erst im Zug richtig registriert, dass ich jetzt wirklich in Deutschland bin“, erzählt die 16-Jährige, während sie vier Monate später entspannt im Kreis ihrer Gastfamilie am Küchentisch sitzt.

Im Juli 2013 hatte die Familie Langner aus Retzbach über AFS, einen gemeinnützigen Verein für Jugendaustausch und interkulturelles Lernen, Marina kennengelernt und sich für sie entschieden. „Wir haben viele, viele Bewerbungen bekommen“, erzählt Anja Langner. Wichtig bei der Auswahl ihrer Gastschülerin war ihnen, dass das Alter zur Familienstruktur passt, denn Marina hat in Retzbach zwei elf und 14 Jahre alte Gastbrüder. Der dritte Sohn der Langners ist derzeit selbst als Gastschüler in den USA. „Außerdem fanden wir es gut, wenn unser Austauschgast sein Hobby weiterführen kann“, sagt Gastvater Steffen Langner.

Das kann Marina, die zu Hause in Barcelona Leistungsschwimmerin war. Für ihre zehn Monate in Deutschland besucht sie die Sportklasse der Jahrgangsstufe zehn im Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg. Hier wird zweimal pro Woche beim Schwimmverein SV 05 im Wolfgang-Adami-Bad trainiert. Auch Thomas Lurz hat Marina hier schon gesehen. Ihn kannte sie schon von den Schwimm-Weltmeisterschaften 2013 in Barcelona, die sie dreimal besucht hat. Allerdings sind ihre Steckenpferde das Rückenschwimmen und der Freistil auf kürzeren Distanzen.

„Ich bin bei der Begrüßung sofort in die Arme genommen worden.“

Marina (16 Jahre), Gastschülerin aus Spanien

Wie ihr erster Eindruck von Deutschland war? „Grün, grau und ruhig“, sagt die Spanierin. Zu Hause in Retzbach höre sie manchmal so gut wie nichts. Gewöhnungsbedürftiger empfindet sie aber die Kälte. Schließlich liegen die Temperaturen in Barcelona zu dieser Jahreszeit bei rund zwölf Grad und meistens scheint die Sonne. Da war es schön, dass ihr die Deutschen nicht, wie sie erwartet hatte, verschlossen, sondern offen und warmherzig begegnet sind: „Ich bin von meiner Gastfamilie bei der Begrüßung sofort in die Arme genommen und gedrückt worden“, erzählt sie.

Mit ihr hat Marina auch ihr erstes deutsches Weihnachtsfest erlebt, gut gegessen, Geschenke ausgepackt und einen evangelischen Weihnachtsgottesdienst besucht. „In Barcelona feiern wir Weihnachten erst am 25. Dezember und am 6. Januar gibt es Geschenke“, erzählt sie. In der Kirche gibt es zusätzlich das Ritual, die Figur des Jesus-Kinds in der Krippe zu küssen. Sie selbst war davon nicht so angetan. „Aber meiner Oma hat es immer gefallen“, erzählt sie.

„Wir merken, dass Marina an viele Dinge entspannter herangeht als wir“, sagt die Gastmutter. Eine Einstellung, von der auch die Gastfamilie profitiere. Generell empfehlen die Retzbacher, Gastschüler aufzunehmen. „Man braucht nur einen Platz am Tisch, sollte offen sein für andere Kulturen und ein bisschen Lust auf Abenteuer haben“, beschreibt es Anja Langner.

An der Betreuung über AFS gefällt ihr, dass die Schüler gut versorgt werden, es begleitende Seminare und Ausflüge gibt und beide Seiten – Gastfamilie wie Gastschüler – Ansprechpartner im Land haben. Und auch Gastbruder Hannes findet seine Schwester auf Zeit gut, mit der er nicht nur viel Fußball und Basketball gespielt hat, sondern der er auch Mau-Mau und „Mensch ärgere dich nicht“ beigebracht hat.

Raus aus Retzbach geht es dann eher an den Wochenenden. Karlstadt, Würzburg und Nürnberg hat sie bereits gesehen, Bier auf dem Münchener Oktoberfest und Glühwein auf dem Bamberger Weihnachtsmarkt getrunken. Sogar gerodelt ist die Spanierin schon – allerdings nur auf der Sommerrodelbahn auf der Wasserkuppe. Jetzt wartet sie sehnlichst darauf, dass sie die Rutschpartie auf echtem Schnee wiederholen kann. Denn den hat sie erst zweimal in ihrem Leben gesehen.

Gastfamilie werden

AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. ist ein gemeinnütziger Verein für Jugendaustausch und interkulturelles Lernen. Die Organisation arbeitet ehrenamtlich und ist Träger der freien Jugendhilfe. Gastfamilie für AFS kann fast jede Familie werden: Wichtig sind ein Interesse an anderen Kulturen, Offenheit gegenüber Neuem – und ein freies Bett. Auch Alleinerziehende und kinderlose Paare sind als Gasteltern willkommen. AFS verfügt über mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Betreuung von Gastschülern und -familien. Interessierte Familien, die ab Februar 2014 einen internationalen Gastschüler beherbergen möchten, können sich unter Tel. (040) 399 222-90 oder per E-Mail: gastfamilie(at)afs.de melden. TEXT: LUC