Sie sind hier: AFS-Komitee Würzburg > Das Komitee > Zeitungsberichte > ...unserer Gastschüler > Klöße, Sauerkraut und grüne Bohnen sind die einzigen Schwächen > 

Klöße, Sauerkraut und grüne Bohnen sind die einzigen Schwächen - Haßfurter Tagblatt 10.05.2008

Drei Austauschschüler aus Costa Rica, Venezuela und Kolumbien leben für ein Jahr bei Familien in Haßfurt

Einmal ein ganzes Jahr in einem fremden, weit entfernten Land zu leben, dessen Sprache und Kultur man nicht kennt, aber gerne kennen lernen möchte. Dieser Traum ist für Mauricio aus Costa Rica, Carlos aus Venezuela und Santiago aus Kolumbien wahr geworden, denn sie haben ihre Heimat verlassen und leben nun in Familien in Haßfurt. Möglich geworden ist der Aufenthalt durch die AFS, die größte und älteste Jugendaustauschorganisation weltweit. Als American Field Service (AFS) führten junge Amerikaner während der beiden Weltkriege freiwillig Sanitätstransporte durch. Aus ihrer Idee, Toleranz und Völkerverständigung zu fördern, entstand der Jugendaustausch zwischen jungen Leuten aus den USA und Deutschland. Heute ist AFS mit Büros und Komitees in über 60 Ländern vertreten, in denen sich über 120 000 Menschen ehrenamtlich engagieren. Das AFS Büro Würzburg vermittelt jährlich zwischen zehn und 15 Jugendliche aus den Landkreisen Haßberge, Würzburg, Bad Mergentheim, Spessart und Rhön-Grabfeld und den Partnerländern. Dieses Jahr kamen Mauricio, Carlos und Santiago nach Haßfurt und berichteten bei einem Themenabend des Komitees Würzburg im Hotel Walfisch in Haßfurt von ihren ersten Eindrücken.

"Oh Gott, was mache ich bloß hier?" - Dieser Gedanke ging Santiago aus Kolumbien durch den Kopf, als er deutschen Boden betrat. Doch mittlerweile genießt er jeden Moment seines Aufenthalts bei der Familie von Dagmar und Roland Menna. "Meine neue Familie liebt mich und unterstützt mich sehr", erzählte er. Er ist wie die beiden anderen Austauschschüler 17 Jahre alt, hat in seiner Heimat die höhere Schule abgeschlossen und besucht im Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt eine 11. Klasse. "Es ist in meiner Heimat sehr nützlich, deutsch sprechen zu können", sagte er, "zumal jeder, der neben seiner Muttersprache spanisch und der Fremdsprache englisch eine weitere Sprache spricht, gute berufliche Chancen hat."

Nicht nur das Interesse an einer weiteren Sprache, sondern auch die Vorstellung, dass "Deutschland ein interessantes Land voller Kultur" ist, hat Mauricio aus Costa Rica hierher geführt. "Deutschland ist ein herrliches Land, weil die Menschen sehr nett sind, das Essen gut schmeckt und die Frauen sehr schön sind", hat er festgestellt. Er ist glücklich, weil er hier Fahrradfahren, Billard und Fußball spielen kann und schon sehr viele Freunde gewonnen hat. "Meine Familie in Haßfurt ist die Beste", lobte er Andrea Kowalke und Michael Hahn, die das Hotel Walfisch führen. "Klöße, Sauerkraut und grüne Bohnen sind das wenige, das ich nicht mag", fügte er an. Auch Carlos, der bei der Familie von Antje und Mathias Eickhoff in Haßfurt lebt, hat schon viele Freunde gefunden. Zwar plagt ihn ein wenig Heimweh, doch gefällt es ihm hier inzwischen sehr gut.
Michael Hahn und Andrea Kowalke begrüßen den Austausch junger Menschen,  auch wenn ein ganzes Jahr ein sehr langer Zeitraum sowohl für den Schüler als auch die Gasteltern ist. "Es ist schön, dass Mauricio bei uns lebt, aber es ist natürlich auch eine Herausforderung für uns", so Michael Hahn. Denn schließlich begegneten sich verschiedene Kulturen. Auch erhielten die Gastfamilien kein Geld für die Aufnahme eines Jugendlichen, sondern müssten alle anfallenden Kosten selbst tragen. Erfreulich findet Michael Hahn, dass in Haßfurt drei Familien einen Schüler bei sich aufgenommen haben und sich gegenseitig austauschen und unterstützen. So unternehmen die Familien öfters gemeinsam oder abwechselnd etwas mit den drei Jungen.

Auch Antje Eickhoff, die Carlos für ein halbes Jahr in ihre Familie aufgenommen hat, bestätigt, dass es für die Jugendlichen nicht einfach sei, sich in eine völlig  andere Kultur zu begeben. "Wir hätten nichts Besseres tun können", schwärmte wiederum Dagmar Menna, die selbst zwei Kinder hat. "Unser Santiago ist ein so lieber Junge, der sich voll in unsere Familie integriert hat." Auch ihre Familie werde von dem Aufenthalt des Schülers profitieren, da er viel von seiner Kultur und seinem Leben in Kolumbien berichten könne.

Von unserer freien Mitarbeiterin Ulrike Langer