Neujahrsgrüße

26.01.2011

Und? Wie hat das Jahr in Deutschland begonnen? Ich hoffe doch gut!

Ich weiß, es ist schon fast einen Montag alt – gerade deshalb gibt es sehr viel zu berichten. Zwischen Weihnachten und Silvester hatte ich ja nicht frei, sodass ich auch am Silvestermorgen arbeitete. Ich war dann ziemlich müde, als ich die Arbeit verließ und noch dazu war es sehr sehr kalt an diesem Tag. Also entschloss ich mich, nach Hause zu fahren und es ruhig angehen zu lassen. Noch dazu, weil Silvester sowieso nicht so wichtig für mich ist. Meine Gastfamilie war auch zu Hause. Um Mitternacht wünschte ich allen ein gutes neues Jahr und ging kurz danach ins Bett. Das war ganz nach meinem Geschmack! Am 1.1. konnte ich dann gemütlich ausschlafen und war nicht den ganzen Tag lang total müde. Ich telefonierte mit einigen Freunden von meinem letzten Aufenthalt in China – das war auch sehr schön. Ich hatte schon lange nicht mehr mit ihnen gesprochen.

Und dann war ja schon mein Geburtstag an der Reihe. Es war ein sehr schöner Tag. Die meisten Leute hier wussten nichts davon und das war mir nur recht – so konnte ich einen Tag ohne besonders viel Rummel um meine Person genießen. Mittags ging ich mit meiner Gastfamilie zum Thailänder, danach mit meinen Gastschwestern und zwei deutschen Freundinnen zum Eislaufen. Am Abend aßen wir Hotpot. Die Familie hatte mir einen Kuchen gekauft. Ich bekam ein Ständchen gesungen und durfte die Kerzen ausblasen. Herzlichen Dank für all die Glückwünsche

 

Auf der Arbeit startete das neue Jahr auch gut. Wir hatten alle sehr viel zu tun – doch die Arbeit machte mir auch sehr viel Spaß und ich kann immer noch sehr viel Neues dazu lernen. Doch für unser Büro sah es weniger gut aus. Am ersten Arbeitstag im neuen Jahr hatten wir Stromausfall, sodass wir nach einigem Warten doch wieder nach Hause fuhren. Eine Woche später waren die Toiletten im ganzen Haus kaputt. Wir mussten in ein Cafe nebenan gehen. Und in der Woche danach ging unsere Tür kaputt, weil der Schlüssel im Schloss stecken blieb. Das hieß, dass wir jeden Tag (für eine Woche, bis es repariert war) durchs Fenster ins Büro kletterten!

 

Ansonsten planen wir im Moment drei große Events für unser Million Tree Project. Wir wollen damit das letzte fehlende Geld einspielen. Ende Februar werden wir drei Filmvorführungen von „Jane’s Journey“ durchführen. Dafür ist viel zu organisieren, doch langsam läuft es immer besser.

 

Zwischendurch half ich noch dabei eine AFS-Auswahl für die Chinesen aus Shanghai zu machen, die nach Deutschland kommen wollen. Das war auch eine sehr interessante Erfahrung, weil es wirklich ganz anders ablief, als in Deutschland – obwohl ich den Ablauf sogar geplant hatte. Die Jugendlichen sind halt einfach etwas anders!

 

Privat hat sich meine Situation komplett geändert. Ich habe Mitte des Monats die Gastfamilie gewechselt. Meine ursprüngliche Familie hatte ja sowieso nur 3 Monate angegeben und ich konnte dort bis maximal Ende Januar bleiben, denn danach wird bei ihnen für einige Zeit Durcheinander. Also wechselte ich in eine neue Familie, die eben ganz anders ist als die vorherige. Hier kann ich noch mal richtig China erleben. Denn die Familie hatte praktisch noch nie Kontakt mit Ausländern. Die Eltern haben nur eine sehr geringe Ausbildung genossen. Sie kommen aus der Provinz und haben es als einige der wenigen geschafft, sich hier mit Erfolg hochzuarbeiten. Sie betreiben einen Beauty-Salon. Sie haben ebenfalls zwei Kinder: Mädchen, 9 und 3 Jahre alt. Ich habe kein eigenes Zimmer mehr und schlafe mit der Kleinen in einem Zimmer. Gott sei Dank schläft sie manchmal auch bei ihrer Schwester oder ihren Eltern, denn sie wacht in der Nacht oft auf und weint. Auch habe ich hier keine Heizung mehr (bei uns ist jetzt der Winter mit Minusgraden und etwas Schnee eingekehrt). Wenn ich abends nach Hause komme, dann geht erst mal die Post ab mit den zwei Kleinen: Spielen, Hausaufgaben machen,… . Wenn sie dann im Bett sind, bin ich meist auch so müde, dass ich ins Bett falle. Es ist auf jeden Fall ziemlich anstrengend. Die Familie ist nett und durch die relativ geringe Bildung der Eltern wird auf die Kinder nicht so viel Druck ausgeübt, sodass sie wirklich auch noch Kinder sein müssen und nicht nur über den Büchern sitzen müssen. An die neue Umgebung muss ich mich natürlich erst gewöhnen, aber das ist ja klar. Es wird auf jeden Fall sicherlich eine lehrreiche und auch anstrengende Zeit! Diese Woche ist die Mutter mit den Kindern nun nach Thailand in den Urlaub gefahren, weil schon Ferien sind. Ich dachte, dass es ruhiger werden würde. Doch statt zwei waren dann 4 Kinder im Haus, weil die ganzen Cousinen und Cousins kamen. Außerdem noch zusätzlich zwei Erwachsene. Das bedeutete, dass ich mit 3 Kindern ein Zimmer teilte. Mitte der Woche merkten sie dann selbst, dass es zu viel des Guten ist und zogen wieder aus! Jetzt habe ich für eine halbe Woche wirklich mal Ruhe bevor es wieder weiter geht mit dem Trubel!

Nächste Woche ab 2.2. habe ich dann Urlaub für eine Woche. Es ist ja chin. Neujahr! Das Tigerjahr neigt sich dem Ende und bald beginnt das Jahr des Hasen. Meine neue Gastfamilie ist aus Jiangxi und sie werden dorthin fahren. Womöglich fahre ich mit ihnen. Ansonsten werde ich in Shanghai und Umgebung bleiben – einige Freunde haben mich schon zu sich eingeladen, denn keiner soll an Neujahr alleine sein. Aber wie immer, wird sich das wohl erst kurz vorher entscheiden. Die letzten Tage, als ich durch die Stadt fuhr, standen an allen Ticketbüros für Zug und Bus sehr sehr lange Schlangen – d. h. in Shanghai wird es wohl etwas ruhiger werden…

 

Nach Neujahr wird es dann munter weitergehen, denn HandsOn Shanghai ist seit Januar offiziell registrierte NGO. Wir werden im März in ein riesiges Community Center umziehen.

Und dann stehen ja noch die 3 Filmvorführungen bevor!

 

Die Luft hier ist seit dem Ende der Expo immer schlechter geworden, sodass wir nun, nachdem während der Expo noch ab und zu ein blauer Himmel zu sehen war, eigentlich ständig nur noch Smog haben.

Noch ein paar interessante Dinge, die ich herausgefunden habe:

 

Meine Abteilungsleiterin ist seit September schwanger. In China ist es den Ärzten nicht erlaubt, das Geschlecht des Kindes im Voraus bekannt zu geben, da ja wegen der Ein-Kind-Politik viele immer noch unbedingt Jungen bekommen möchten. So sollen Abteibungen entgegengewirkt werden. Das Verfahren der chin. Medizin, um das Geschlecht festzustellen – bevor es Ultraschall gab – war der Puls. Man fühlt ihn an beiden Händen und prüft, wo er stärker schlägt. Ist es links, dann wird es wohl ein Junge, ist es rechts, dann ein Mädchen. Das hat auch mit dem Ying und Yang zutun. Meine ehemalige Gastmutter, die ja Ärztin für chin. Medizin ist, hat gesagt, dass dieses Verfahren, je später man es durchführt, umso erfolgreicher ist. Aber die Quote liegt dennoch nur bei etwa 75% richtigen Vorhersagen. Ansonsten habe ich noch gelernt, dass Frauen ursprünglich nach der Geburt 1 Monat das Haus nicht verließen und auch nicht die Haare wuschen. Duschen war die erste Wochen nicht erlaubt. Man hat Angst, weil der Körper sehr schwach ist, dass die Frau krank wird. Heutzutage achtet man nur noch ein bisschen darauf. Man weiß, dass es ursprünglich so war. Doch ein Monat ist den meisten zu lange, sodass sie es auf 1-2 Wochen verkürzen.

 

Für eine Zeit war ein amerikanischer TV-Sender mit vielen amerikanischen Filmen (keine Nachrichten) plötzlich gesperrt. Die Chinesen meinten dazu, dass die Regierung den Einfluss von den USA verringern möchte und lieber den von Korea erhöhen.

 

So, das war es für heute mal wieder!

 

Viele Grüße,

Theresa