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Ein Jahr zu Gast: Marina Agapito Soares aus Brasilien besucht wie ihre Gastschwester Isabelle Schmier (rechts) aus Werneck das Celtis-Gymnasium Schweinfurt.

WERNECK/SCHWEINFURT
Warum Heimweh nichts Schlechtes sein muss

 

Gestern Brasilien, heute Deutschland und morgen zurück: Junge Brasilianerin lebt ein Jahr in Werneck

 

Menschen, neue Kulturen kennen lernen. Marina Agapito Soares ist zwar erst 17, aber das Fremde, das Neue, das hat sie schon in ganz jungen Jahren interessiert. Dass sie sich für ein Jahr im Ausland meldete, war die logische Folge. Ihre Entscheidung, über die weltweit größte ehrenamtliche Austauschorganisation American Field Service (AFS) nach Europa, nach Deutschland zu gehen, "ganz klar". Und warum? Sie habe oft gehört, dass hier alles anders sei als in ihrer Heimat Brasilien, sagt Marina Agapito Soares. 

Dass längst nicht alles davon stimmt, das weiß die Austauschschülerin aus Vitoria längst, die seit Februar 2010 in Deutschland, in Werneck bei Familie Schmier, lebt. Gut, sagt sie lachend, die Deutschen seien wirklich pünktlich, auch umweltfreundlicher, würden selten etwas achtlos wegwerfen. Dass die Menschen verschlossen wären, wie es in Brasilien heißt, genau das hat die junge Frau, die das Celtis-Gymnasium in Schweinfurt besucht "im Gegenteil aber ganz anders erlebt", wie sie sagt.

Bei Schmiers ist sie von Anfang an klargekommen, wobei natürlich auch Isabelle eine große Rolle spielt. Die jüngste Tochter der Gastfamilie ist gleich alt wie Marina und inzwischen ihre beste Freundin. Beide besuchen die Kollegstufe Klasse 12. Aber nicht nur bei ihrer Gastfamilie fühlt sich die Austauschschülerin wohl. Auch im Celtis "und überhaupt" seien alle freundlich, hätten sie gut aufgenommen. Da verwundert auch nicht, dass Marina auf die Frage, ob sie schon einmal Heimweh hatte, mit dem wunderschönen Satz antwortet: "Ja, aber das war kein schlechtes Heimweh".

Als Marina erfuhr, dass es mit dem Jahr in Deutschland klappt, belegte sie, die bis dahin kein Wort Deutsch sprach, in ihrer 800 000 Einwohner zählenden Stadt Vitoria einen Deutsch-Sprachkurs. Kaum war sie in Werneck angekommen, meldete sie sich – zusätzlich zum täglichen "Sprachkurs" in der Familie – bei einem der Volkshochschule an. Inzwischen sind ihre Deutschkenntnisse fast perfekt. Doch Marina tut auch einiges dafür. Regelmäßig, nach dem Schultag am Celtis, nimmt sie an einem Deutschkurs im Rathenau-Gymnasium teil. Marina ist ein Paradebeispiel dafür, dass Sprache schnell und gut lernt, wer das auch will.

Schließlich, sagt Marina, ist Sprache der Schlüssel für Kommunikation. Leicht war es anfangs nicht. "Ich habe gar nichts verstanden, aber nach zwei Monaten ging es schon", sagt sie lachend. Erstmals deutsch geträumt hat sie "letzte Woche". Das heißt: Sie kann's mittlerweile wirklich fast perfekt.

Nur Schule und Sprache lernen? Wieder grinst die bescheidene Brasilianerin und beginnt zu erzählen. Viel Spaß habe ein mehrmonatiger Tanzkurs in der Tanzschule Pelzer bereitet, Popjazz. Sie kennt die Disco Suzie im Hafen, muss unbedingt das "W3" kennen lernen, besucht ab und zu die "Filmwelt" und genießt das Schlendern durch die "schöne Stadt Schweinfurt". Oft sind Freunde aus dem Celtis dabei oder andere Gastschüler – wie Astor (lebte bei der AFS-Gastfamilie Kiesel in Schweinfurt) oder Pedro aus ihrem Heimatland, die beide das Humboldt besuchen oder besuchten.

Neue Leute und Kulturen hat Marina mittlerweile über Gebühr kennen gelernt: mit dem Celtis war sie in Rom, mit AFS in Berlin, mit der Gastfamilie in Kiel, Hamburg, in Italien und auf Réunion. Und mit Freunden besuchte sie das Oktoberfest in München, das sie "ein wenig verrückt" findet. Aber in Rio oder Sao Paolo werde ja auch Karneval gefeiert und das sei auch verrückt, rückt sie das wieder zurecht.

Im Januar 2011 ist ihre Zeit in Deutschland vorbei, die viel zu kurz war, "weil ich doch noch so viel zu tun habe", sagt die 17-Jährige. An den Abschied will sie noch gar nicht denken, sondern ihr "schönes Leben hier weiterführen".

Marina weiß, dass sie wiederkommen wird, allein schon wegen der Gastfamilie Schmier: "Das ist meine Familie", sagt sie. Gleichwohl: Sie freut sich dann doch auch wieder auf zuhause, auf ihren 13-jährigen Bruder, den Vater, ein Ingenieur, und die Mama, die Richterin ist. Ob sie in ihre Fußstapfen treten wird, weiß sie noch nicht, Jura will aber auch Marina studieren.

Was wird sie vermissen? Viel, sagt sie, vor allem aber die Spaziergänge im Wernecker Schlosspark. In ihrer Heimatstadt sei es zwar nicht direkt gefährlich, aber "so einfach vor die Türe gehen und es ist sicher", das kennt sie aus ihrer Stadt in Brasilien dann doch nicht.

 

Kontakt zum AFS: Wer sich vorstellen kann, ein Gastkind ein Schuljahr lang bei sich aufzunehmen, kann sich direkt an das AFS-Regionalbüro Süd wenden Tel. (07 11) 80 60 76 90, oder via E-Mail: regionalbuero-sued@afs.org). Weitere Informationen auch via Email über afs-wuerzburg@gmx.de oder unter www.afs.de/gastfamilie im Internet.