Zurück aus China

Ins Herz geschlossen: Neun Monate lebte Theresa bei ihrer Gastfamilie in Shanghai.

30.06.2011

Theresas Freiwilliges Soziales Jahr in Shanghai ist zu Ende

 

Neun Monate – das hört sich erstmal sehr lange an. Doch schon vor Beginn meines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes in Shanghai wusste ich, dass die Zeit wie im Flug vergehen würde.

 

Und tatsächlich: Ich kann mich an keinen Moment während meines Aufenthalts in Shanghai erinnern, in dem ich mir gewünscht hätte, dass er schneller vergeht. Im Gegenteil: Mir war immer bewusst, dass meine Zeit knapp bemessen ist und ich sie so gut wie möglich nutzen möchte und sollte. Von der ersten Sekunde, in der ich die schwül-heiße Shanghaier Großstadtluft im September roch, bis zum letzten Tag, den ich mit meiner Gastfamilie beim Drachensteigen verbrachte, war ich vollkommen von meinem Leben in dieser komplett anderen Welt eingenommen.

Das machte den Abschied besonders schwer. Nicht nur weil ich meine Gastfamilie, Freunde und Kollegen verlassen musste. Ich musste auch den lieb gewonnenen Alltag, den ich mir in den neun Monaten aufgebaut hatte, hinter mir lassen. Doch natürlich freute ich mich auch auf Deutschland: Familie, Freunde, Natur und frische Luft erwarteten mich!

Seit wenigen Wochen bin ich wieder daheim. Das Fränkeln klingt wieder normal, Brot und Käse schmecken wieder. Doch schon jetzt fühlt sich die Vorstellung, noch vor ein paar Wochen in Shanghai gelebt zu haben, manchmal unwirklich an. In solchen Momenten beweisen mir die E-Mails von Freunden aus Shanghai und die Erinnerungen festgehalten in Fotos, Zeitungsartikeln und Tagebüchern, dass es tatsächlich Wirklichkeit war.

Oft wird im Nachhinein versucht, einen Auslandsaufenthalt zu evaluieren und daher gefragt: „Was hast du aus diesem Jahr Nützliches mitgenommen?“ Natürlich kann ich daraufhin all das aufzählen, was ich gelernt habe: Sprache, Organisation von Veranstaltungen und so vieles mehr. Doch es ist nicht wirklich das, was den Auslandaufenthalt für mich so wertvoll gemacht hat. Vielmehr sind es die kleinen Dinge, die diese Zeit zu einer unvergesslichen Erfahrung für mich machen: das tiefere Verständnis für die fremde Kultur, das Gefühl der Erfüllung bei der Arbeit, der Zusammenhalt unter Freunden und Kollegen, die Wertschätzung vieler Privilegien, die ich in Deutschland genieße . . .

Mit der Rückkehr aus Shanghai beginnt nun ein neuer, ebenfalls sehr spannender Abschnitt in meinem Leben: die Studienzeit. Im Moment schreibe ich die letzten Bewerbungen und werde voraussichtlich im September ein Studium aufnehmen. In welche Richtung mich mein Weg führen soll, ist mir klar: hin zu einer mindestens genauso erfüllenden Arbeit wie während meines Aufenthalts in China. Doch ob es mich auf diesem Weg noch einmal in dieses Land verschlagen wird, das wird wohl erst die Zukunft zeigen.