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MainPost, 24.06.11

SCHWEBHEIM
Schwebheim ist Villies zweite Heimat

Als Austauschschüler lebte junger Thailänder ein Jahr bei Familie Schäfer - Er kehrt regelmäßig zurück

Wenn Villie sich etwas vornimmt, wird das in der Regel auch was. Als er 2003 für ein Jahr als Austauschschüler des American Field Service (AFS) bei Familie Schäfer in Schwebheim lebte, da hat der aufgeschlossene - damals 17 Jahre alte - junge Mann im Interview seine Pläne sehr konkret benannt.

Am Wochenende kehrte Villie wieder einmal für ein paar Tage in seine "zweite Heimat" zurück und tatsächlich: einen Großteil seines "Karrierewegs" ist der 25-Jährige in einem Höllentempo schon gegangen.

Villie stammt aus Thailand, heißt komplett Villie Dhanaraj Kheokao. Als er 2003 nach Deutschland kam, vermissten ihn seine Freunde zuhause sehr, weil es keinen mehr gab, der Partys organisierte. Villie war Klassensprecher, engagierte sich für Umweltprojekte. Ein Macher war er schon immer.

In seiner Schweinfurter Zeit besuchte er das Humboldt-Gymnasium, hat sich jetzt per Facebook "natürlich mit einigen Ex-Klassenkameraden" verabredet. Zu berichten hat er viel, mittlerweile in perfektem Deutsch.

Als Villie Schweinfurt, Schwebheim, die Schäfers im Januar 2004 nach einem "erlebnisreichen Jahr" verließ ("Damals wäre ich gerne noch länger geblieben, aber das ist am Schluss bei allen Austauschschülern so"), ging er zuhause noch ein Jahr ins Gymnasium. Von 2005 bis 2009 studierte er, wie geplant, Rechtswissenschaften in Bangkok.

Das aber mit einer Unterbrechung: Sein Auslandssemester absolvierte Villie 2007 in München. Nächste Station: London, Master Nummer eins, Thema: Banken und Finanzwelt. Danach zweiter Master. Mit einem Stipendium landet er an der Uni Mannheim. Thema dort: Vergleich Internationaler Rechtssysteme. Jetzt steht die Doktorarbeit an. Thema: Verfassung und Recht. Villie schreibt die Arbeit aber nicht in Bangkok, sondern an der Uni Potsdam.

Wenn er in zirka eineinhalb Jahren fertig ist, kehrt er in die Heimat zurück. Er strebt eine Professur an der Universität an, will später in die Politik gehen. "Dann wirst Du also der nächste Präsident Thailands?" Villie lacht: "Warum nicht."

Wegen der vielen Deutschlandaufenthalte taucht Villie immer wieder in Schwebheim auf, oft spontan, so wie jetzt wieder. "Das Essen ist gut", grinst er. Vor dem Termin mit der Zeitung gab es Spaghetti, "Klasse", lobt der Thailänder Küchenchefin Maria Schäfer.

Die Schäfers haben mit Villie bereits drei Gastschüler für ein Jahr bei sich aufgenommen. Freunden sagen sie immer: "Macht das, ohne geht Euch was ab", sagt Maria Schäfer. Auch ihr Mann Thomas Schäfer, Gemeinderat in Schwebheim, findet: "Jeder Gastschüler ist eine kolossale Bereicherung." Zu allen Austauschschülern und deren Eltern gibt es nach wie vor Kontakt. Alle profitieren, sagt Vater Schäfer.

Während seiner Mannheimer Zeit studierte Villie einige Zeit an der Partner-Uni in Adelaide. Die beiden Schäfer-Töchter Stephanie (27) und Anette (21) wollten schon immer Mal nach Australien und nutzten die Gunst der Stunde. Sie trafen Villie, gingen danach noch ein paar Tage auf Tour.

Wann kommst Du wieder? "Vielleicht schon im Oktober", sagt Villie, vielleicht auch ein wenig später. Wenn es Weihnachtszeit wird, muss er sich zumindest für "Mama" Schäfer etwas einfallen lassen. Einen Wok hat er ihr nämlich letztes Weihnachten geschenkt. Sie hatte keinen.

AFS sucht ab September 2011 wieder Gastfamilien. Wer sich vorstellen kann, ein Gastkind ein Schuljahr lang bei sich

aufzunehmen, wendet sich an: AFS-Regionalbüro Süd, Tel. (07 11) 8 06 07 69-0, Email: regionalbuero-sued@afs.org Lokaler Kontakt: Marita Helferich, Tel. (0 97 21) 2 78 44, helferich-sw@ t-online.de. Weitere Infos unter www.afs.de/gastfamilie

Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich